In einer Liedansage bezeichnete der Folk-Methusalem Pete Seeger Joni Mitchell einmal altväterlich-unkorrekt als langbeiniges blondes Mädchen. Und Johnny Cash zollte ihr gönnerhaft in der TV-Show, die seinen Namen trug, Anerkennung für das Verfassen eigener Songs. Das war Mitte der 60er-Jahre, und Joni Mitchell wirkte etwas schüchtern, fast ängstlich. Aber es dauerte nicht sehr lange, da hatte sie zu der gerade erst beginnenden Blütezeit des Pop bereits einige der ergiebigsten Früchte ihres Liedguts beigetragen. „Both Sides Now“ und „Big Yellow Taxi“ gehören heute zu den Klassikern jener ein paar Jahre zuvor von Bob Dylan eröffneten Epoche, in der die Komposition eines Songs und deren Vortrag als marktfähiges künstlerisches Gesamtergebnis überhaupt erst etabliert wurden. Joni Mitchell, die mit Neil Young befreundet ist und mit Leonard Cohen und Graham Nash für einige Zeit liiert war, war eine, die dabei war, obwohl sie einen nicht unwesentlichen Teil ihres Ruhms daraus bezog, im entscheidenden Augenblick gefehlt zu haben. Zwischen distanzierter Beobachtung und dem Pathos der Zugehörigkeit Beim legendären Woodstock-Festival 1969 musste sie passen, weil sie aufgrund des entstandenen Verkehrschaos nicht mehr rechtzeitig zu ihrem Auftritt gelangte. Aus dem Versäumnis heraus hatte sie einen zweiten Blick auf das Geschehen, und so entstand ihr Song „Woodstock“, der heute als Hymne einer Generation gilt, die unter dem Markennamen „Summer of Love“ eine Massenzusammenkunft im US-Bundesstaat New York abhielt, die heute mühelos als Gründungsmesse aller esoterischen Bewegungen samt Musikprogramm durchgehen kann. Der Sammelbegriff Esoterik war zu der Zeit unverdächtig, und Joni Mitchell lieferte dazu den Soundtrack. „We are stardust, we are golden, and we’ve got to get ourselves back to the garden“ Man war unterwegs zurück in den Garten, um irgendwie die Seele freizubekommen („I’m gonna get my soul free“), und Joni Mitchell hielt dazu ihre helle Stimme schön in der Waage zwischen distanzierter Beobachtung und dem Pathos der Zugehörigkeit. Ein Zeichen ewiger Treue Das war es wohl auch, was ihre Begabung für Liedtexte ausmachte. Wenn Joni Mitchell den afrikanischen Wind besang, der am Strand…Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung

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