Richard Eyres „Kindeswohl“: Ein rauschendes Plädoyer für das Recht

Für Verfilmungen sind kurze Bücher besser. Ian McEwan hat eine Menge davon verfasst, und als wolle er die alte Regel immer wieder neu beweisen, betreibt der britische Bestsellerautor gerade die Verfilmung seiner Romane, die man eher Novellen nennen kann, in rasender Geschwindigkeit. Eben erst gelangte „Am Strand“ in die Kinos, die filigrane Keuschheitsparabel aus den Sechzigerjahren, für die McEwan auch das Drehbuch verfasste. Auch in „Kindeswohl“ geht es um Sex, oder das Fehlen davon, was nun nicht die Kürze erklärt. Wieder wirkt es aber so, als finde der Autor im anderen Medium jene Emotionalität, die dem notorischen Rationalisten literarisch abgeht. Dabei schreibt er seine Drehbücher nicht anders. Auf dem Blatt, und bisweilen im Roman, wirkt Richterin Fiona Maye wie eine sterile Kopfgeburt. Wo sie waltet, gilt „das Recht, nicht die Moral“. Gleich zu Beginn hat sie eine salomonische – also unmögliche – Entscheidung zu treffen. Siamesische Zwillinge müssen getrennt werden, nur ein Kind kann überleben. „Kindeswohl“ offenbart mehrere Dilemma Gegen die Eltern entscheidet Maye, wie es im Gesetz steht, für das „Kindeswohl“. Was bedeutet, dass ein Kind sterben muss. Ihre Begründung ist nicht kalt oder unmenschlich, sondern schlichtweg richtig und wie immer brillant. Natürlich, da testet McEwan immer wieder seine eigenen Grenzen aus, muss diese britische Nüchternheit auf die Probe gestellt werden. Ihr Mann Jack eröffnet Fiona eine Affäre. Er hat, kurz gesagt, alle Argumente auf seiner Seite und möchte die Ehe sogar erhalten. Doch Fiona fühlt sich gedemütigt. Wie kommt sie mit einer privaten Situation zurecht, in der es um die eigene Moral geht statt um das Recht? In einem weiteren Fall gerät sie in das gleiche Dilemma. Es…Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung