Radio-Boykott von „Vincent“ : Sarah Connor fassungslos über Umgang mit neuem Song

Sarah Connor ist fassungslos. Da hat die 38-jährige Popsängerin in ihrer nun auch schon zwei Jahrzehnte währenden Karriere einige Höhen und Tiefen erlebt, auch den einen oder anderen Aufreger geboten wie etwa 2005 ihren missglückten Vortrag der Nationalhymne („Brüh im Lichte dieses Glückes“) bei der Eröffnungsfeier der Münchner Allianz Arena. Nun allerdings versteht die in Berlin lebende Künstlerin die Welt nicht mehr. Grund ist der Trubel, den ihr neues Lied „Vincent“ ausgelöst hat. Es handelt unter anderem von der Verwirrung und dem Herzschmerz eines Jungen als er erkennt, dass er schwul ist, und beginnt mit der folgenden, quasi-expliziten Zeile: „Vincent kriegt kein’ hoch, wenn er an Mädchen denkt“.

Sarah Connor will den Hinweis der Radiosender auf Jugendschutz nicht gelten lassen

Skandal! Etliche Radiosender nahmen den Song gleich ganz aus dem Programm, andere spielen ihn nur mit Einschränkungen, etwa indem sie ihn um die angeblich jugendgefährdende Zeile kürzen oder frühmorgens – wenn Kinder am Frühstückstisch sitzen oder im Auto zur Schule gebracht werden – nicht über den Äther schicken. Connor versteht das nicht. Ihr sei zwar bewusst, dass die erste Zeile verblüffen, ja auch empören könne, erklärte sie jetzt, aber das würde doch gerade zu einer Auseinandersetzung mit dem wichtigen Thema führen.

Auch den Hinweis auf den Jugendschutz will Connor nicht gelten lassen. Sie habe das Lied ihrer Plattenfirma und auch ihren Kindern vorgespielt: „Ehrlich gesagt, gab es niemanden, der nicht am Ende des Songs verstanden hat, dass es um Liebe geht. Ich finde, man sollte es als Chance ergreifen, darüber zu sprechen.“ Nun, wir könnten noch hinzufügen, dass Connor die Chance genutzt hat, ordentlich Werbung für ihr neues Album „Herz Kraft Werke“ zu machen, auf dem „Vincent“ erschienen ist.

„Vincent“ ist Connors bester Song seit langem

Gleichwohl sollten wir es uns mit solchen Schlaumeiereien nicht zu leicht machen. Connor ist ihr gesellschaftliches Engagement durchaus abzunehmen: 2010 besuchte sie deutsche Soldaten in Afghanistan; während der Flüchtlingskrise 2015 nahm sie eine syrische Mutter mit deren fünf Kindern auf; mit ihrem Song „Wie schön Du bist“ (2015) veröffentlichte sie zudem ein wuchtiges Statement gegen Hass und Ausgrenzung. Und eines noch: Wir verdanken der Künstlerin mit der so kräftigen wie geschmeidigen Soulstimme eine Reihe schöner Lieder, erwähnt seien nur „From Sarah with Love“ (2001) oder, nun ja, „From Zero to Hero“ (2005), doch ist „Vincent“ musikalisch wie textlich Connors bester Song seit langem. Anhören!