Potsdams Busse und Bahnen stehen am Dienstag still – und die Fähre

Potsdam – Berufstätige und Schüler müssen am Dienstag mit erheblichen Problemen auf dem Weg zur Arbeit und zum Unterricht rechnen.  Die Gewerkschaft Verdi hat auch in Potsdam und im Landkreis Potsdam-Mittelmark zu einem ganztägigen Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr aufgerufen. Die PNN geben einen Überblick zur aktuellen Lage – dieser Text wird, so mehr Informationen vorliegen, laufend aktualisiert. 

Wie viele Menschen sind betroffen?

Zehntausende Menschen nutzen täglich die Angebote des Potsdamer Verkehrsbetriebs (ViP) und des für Mittelmark zuständigen Regiobus-Unternehmens, gerade in den Morgenstunden und am Nachmittag. Diese müssen sich laut ViP  darauf einstellen, dass “alle Fahrten der Tram, der Fähre und ein Großteil der Fahrten mit dem Bus” entfallen, wie das Unternehmen am Montagmittag erklärte. Fahrgäste sollten sich “alternative Verbindungen suchen”.  Einzig einige Buslinien könnten durch Subunternehmer wie das Unternehmen Anger bedient werden – so die Linie 692 von Bornim in die Innenstadt und zurück, wo allerdings auch einzelne Fahrten entfallen.

Folgende Tabelle veröffentlichte der ViP:

Bus 118verkehrt ab circa 12 Uhr wieder planmäßig
Bus 316verkehrt ab circa 12 Uhr wieder planmäßig
Bus 603einzelne Fahrten entfallen
Bus 609einzelne Fahrten entfallen
Bus 612einzelne Fahrten entfallen
Bus 638ab circa 12 Uhr fahren vereinzelte Fahrten
Bus 639verkehrt planmäßig
Bus 691verkehrt planmäßig
Bus 692einzelne Fahrten entfallen 
Bus 697einzelne Fahrten entfallen 
Bus 698verkehrt planmäßig
  

Für detaillierte Fahrpläne verwies der ViP auf seine Seite: www.vip-potsdam.de

Im vergangenen Jahr wurden beim ViP durchschnittlich rund 100 000 Fahrgäste pro Tag gezählt. Wegen der Coronakrise liegen diese Zahlen zwar weiterhin unter dem Niveau vergangener Jahre, aber die Auslastung hat zuletzt wieder zugenommen.  Unklar ist noch, wie man bei den einzelnen Fahrten verhindern will, dass die Busse übervoll werden: Das kann zum Corona-Infektionsrisiko werden, wenn sich die Menschen in weniger Fahrzeugen drängen. Der Umgang mit solchen Situationen werde vor Ort von den Busfahrern entschieden, hieß es aus dem ViP.

Von wann bis wann wird gestreikt?

Verdi hat als Beginn des 24-Stunden-Ausstands 3 Uhr angegeben und erklärt: “Fahrgäste müssen sich darauf einstellen, dass in den genannten Zeiträumen weder die Busse oder Bahnen der bestreikten Unternehmen fahren.” Die Gewerkschaft Verdi will am Dienstag auch die Berliner BVG bestreiken. Von 3 bis 12 Uhr sollen alle Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen stillstehen. Danach dauert es erfahrungsgemäß noch mehrere Stunden, bis alles wieder nach Plan rollt.

Fahren S-Bahn und Deutsche Bahn?

Ja. Die S-Bahnen und die Regionalexpresszüge zwischen Berlin und Potsdam sind im Einsatz, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Man werde sogar mehr S-Bahnen fahren lassen. 
Vom Streik betroffen sei die DB Regio Bus Region Ost, die in anderen Teilen Brandenburgs  den Busverkehr abwickelt, so das Unternehmen. Die Berliner S-Bahn kam bei früheren Streiks freilich regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenzen.

Ist in Potsdam mit Staus zu rechnen?

Ja. Denn derzeit gibt es im Potsdamer Straßennetz an neuralgischen Punkten große Baustellen, vor allem auf der Nuthestraße und am Leipziger Dreieck, was auch an normalen Tagen schon für lange Staus sorgt. Am Dienstag dürften vermutlich viele Fahrgäste auf das Auto umsteigen – daher könnten die Behinderungen noch größer werden. Das ist auch eine Erfahrung von ähnlichen Arbeitskämpfen in der Vergangenheit – zuletzt gab es in Potsdam 2017 mehrere Warnstreiks im ÖPNV. Zumindest kann man aber am Dienstag auf das Fahrrad ausweichen: Es ist laut Meteorologen kein Regen angesagt. 
Verschärft wird das Ganze aber durch die von der Stadtverwaltung angekündigte Sperrung der Leipziger Straße für den Fahrradverkehr. Damit ist der Weg in Richtung Hermannswerder noch komplizierter – zumal der Fährbetrieb dorthin wegen des Streiks eingestellt ist. Als Alternative hat die Stadt eine Umleitung über den Brauhausberg angeboten – oder das Schieben der Fahrräder  auf einer Strecke von 100 Metern. Gegen diese Verkehrsführung wendet sich bereits eine Online-Petition, die bisher schon mehr als 300 Potsdamer unterzeichnet haben. Ob die Stadtverwaltung wegen des Streiks die Maßnahme nun aussetzt, hat die PNN bereits angefragt. Eine Antwort steht noch aus.

Um was geht es in dem Konflikt?

Die Gemengelage bei den Tarifverhandlungen ist kompliziert. Verdi verlangt bundesweit einheitliche Regelungen unter anderem beim Ausgleich von Überstunden und den Zulagen für Schichtdienste. Ferner sollen zentrale Regelungen wie 30 Urlaubstage oder Sonderzahlungen künftig bundesweit vereinheitlicht werden. Auf Länderebene wird noch extra verhandelt – da will Verdi in Brandenburg die “schnelle Angleichung” der Entgelttabelle auf das Niveau der Berliner Verkehrsbetriebe BVG. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände hatte den Streikaufruf der Gewerkschaft bereits als „Anschlag auf die Allgemeinheit“ kritisiert. Verdi hatte hingegen betont, die Arbeitgeber hätten mit ihrer Weigerung, über einen bundesweiten Rahmentarifvertrag zu verhandeln, „den Streik provoziert“. (mit Material von dpa)