Neues Palais: Des Königs Gemächer

Potsdam.  Drei Jahre war sie verpackt, verklebt, verschlossen – seit Pfingsten ist die Wohnung Friedrichs des Großen wieder für Besucher geöffnet und erstrahlt im alten Glanz. Denn geschlossen war sie nicht, weil hier Restaurierungsarbeiten notwendig gewesen wären, sondern weil das Sockelgeschoss des Neuen Palais von außen saniert wurde.

Damit die Räume, in denen sich zwar nur noch wenig Inventar befindet, die aber über reichhaltige und zum Teil im Original erhaltene Wanddekorationen und einmalige Tafelparkettböden mit Marquetterie-Einlagen verfügt, während der äußerst staubigen Arbeiten keinen Schaden nehmen, haben die Restauratoren vorab alles aufgefahren, was sie an Schutzmaßnahmen einsetzen konnten. Kein Stäubchen sollte in die Königswohnung eindringen, bestätigte Holzrestauratorin Susanne Alimoradian am Freitag vor Journalisten. Bei der Schlösserstiftung ist sie unter anderem für die wertvollen Parkettböden des Neuen Palais zuständig.

Die Wohnung, die sich nicht, wie üblich in der “Bel Etage”, also im ersten Obergeschoss des Schlosses befindet, sondern im Parterre, ist über ein Vestibül vom Grottensaal aus erreichbar. Gleich zu Beginn betreten Besucher die so genannte “Blaue Kammer”, ein reich mit Gemälden von Rubens und Batoni ausgestattetes Vorzimmer, für das Friedrich II selbst die Hängung seiner Bilder anordnete. Die reiche Ausstattung habe man gewählt, um Wartende, die beim König vorsprechen wollten, zu unterhalten, so der neue Generaldirektor der Schlösserstiftung, Christoph Martin Vogtherr, der die erste Führung persönlich übernahm. Den Italiener Pompeo Batoni bezeichnete Vogtherr als “Gerhard Richter seiner Zeit” und betonte, dass Friedrich lange auf Auftragsarbeiten warten musste, weil der der Maler so beliebt gewesen sei.

In der sich anschließenden “fleischfarbenen Kammer”, ganz in rosa gehalten, dreht sich alles um in feinster Handarbeit angefertigte Schneeballvasen der Porzellanmanufaktur Meißen, von denen in diesem Raum 20 Stück bewundert werden können. Das folgende Konzertzimmer hat eine besonders schöne Ausstattung und ist der Übergang zu den tatsächlich vom König bewohnten Schlaf-, Lese- und Esszimmern mit handgewebten Seidentapeten und der im Original erhaltenen Bibliothek auf der Hofseite.

Viel Privatleben habe Friedrich in seinen Wohnungen nicht gehabt, so Vogtherr, Rückzugsorte gab es nur in kleinen Lese- oder Schreibkabinetten. Nach Abschluss der Bauarbeiten am südöstlichen Flügel des Schlosses sind auch die kostbaren Parkettböden neu geschützt worden. Statt der noch bei der Friederisiko-Ausstellung im ahr 2012 verwendeten provisorischen Stege hat man einen Speziellen Teppichbelag entwickelt, der den Besuchern den Weg weist und so robust ist, dass er die Belastung über viele Jahre tragen kann. Vorbei die Zeit der Filzpantoffeln, die einst dem Schloss Sanssouci mehr Schaden als Nutzen brachten.

Die Wiedereröffnung der Königswohnung zum 250. Jubiläum des Neuen Palais zeigt auch die Bedeutung des Schlosses für die Königsfamilie. Das erste große Fest, das hier stattfand, war die Hochzeit des Kronprinzen Friedrich Wilhelm mit Friederike Luise von Hessen-Darmstadt im Juli 1769. Das Neue Palais war zunächst Gästeschloss. Während der Festsaison in den Sommermonaten logierten hier befreundete Herrscher und Familienmitglieder des Königs. Und nur zu diesen Zeiten wohnte auch der König in der für ihn errichteten Wohnung. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts war das Neue Palais ständig bewohnt, zunächst von Kronprinz Friedrich und seine Ehefrau Victoria. Von 1889 bis 1918 wurde es Kaiserresidenz und wurde von Wilhelm II. und seiner Familie bewohnt. sg

%d Bloggern gefällt das: