Moviemento: Betreiber wollen das älteste Kino Deutschlands retten – mit Crowdfunding

Am Montag kam der Hilferuf: Die Räumlichkeiten des Kreuzberger Moviemento-Kinos sollen verkauft werden, das 1907 eröffnete „älteste Kino Deutschlands“, Gründungsort von X-Filme und Spielstätte für Festivals und Produktionen jenseits des Mainstreams wäre damit am Ende.

Doch das wollen Betreiber Iris Praefke und Wulf Sörgel nicht hinnehmen, auf der Crowdfunding-Plattform Startnext sammeln sie Geld, um die Räume zu kaufen. Bis zum 4. Februar sollen 100.000 Euro zusammenkommen, Ziel sind bis Oktober 2020 1.6 Millionen. Sie selbst haben 200.000 Euro zur Seite gelegt; laut rbb24 steht der Eigentümer, Teil der Deutsche Wohnen, den Plänen „offen“ gegenüber.

Es ist nicht das erste Kino, das in Berlin schließen musste

Kinoschließungen gab es eigentlich schon immer, aber inzwischen geht es grundsätzlich um das Kino. Senat und Bezirke haben sich nie zuständig gefühlt, als Traditionshäuser und Bezirkskinos verschwanden. Heute sind die abendliche Ödnis in der City-West und die Kultur-Lücken in den Außenbezirken ebenso ein Problem, wie die kaum noch profitablen Multiplexe. 

Erst im April musste auch das Friedrichshainer Intimes schließen, nach einer Übernahme durch die Tilsiter Lichtspiele soll es im Februar wiedereröffnet werden. Da werden Erinnerungen wach, aber keine guten: Nach 30 Jahren hatte das Kreuzberger Eiszeit schließen müssen, neue Betreiber versuchten 2016 mit aufwendigem Umbau, neuer Technik, Café, Bar und hübschem Programm den Neustart.

Ein Streit um vereinbarte Baukosten-Beteiligung des Hauseigentümers trieb das neue „Eiszeit“ trotzdem in die Insolvenz. Und da war klar: Wenn Besucherzahlen schwinden, weil auch selbsternannte „Cinephile“ ihre Schätze immer öfter als bequemen Stream goutieren, wenn es kein deutliches öffentliches oder politisches Interesse gibt, Kinos zu erhalten, gibt es selbst in Szene-Vierteln und der Filmkunst-Nische bald den allerletzten Abspann.

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