Menschenkette in Aachen

Lennewitz. Über 300 Bürger und Bauern aus der Region Aachen haben kürzlich mit einer Menschenkette um den Milchviehstall der Familie Giesen in Aachen-Nütheim gegen die vom städtischen Veterinäramt angeordnete Massentötung der Rinder protestiert. „Wir beschützen diese Rinder vor Bürokratenwahnsinn“, sagte der Heinsberger Landwirt Karl-Heinz Krebs, Sprecher der FREIEN BAUERN Nordrhein-Westfalen, die zu der Aktion aufgerufen hatten: „Wir Bauern leben mit unseren Tieren, wir lieben unsere Tiere und lassen uns die Zucht von Jahrzehnten doch nicht mit einem Federstrich auslöschen.“

In der Städteregion Aachen sollen zwei Milchviehherden mit zusammen rund 800 Kühen, Jungrindern und Kälbern getötet werden, weil sich ein Teil davon aus ungeklärter Ursache mit Rinderherpes infiziert hat. Die Bauern wehren sich dagegen – bis zur gerichtlichen Entscheidung ist die Massentötung ausgesetzt worden. Für Krebs handelt es sich bei der Tötungsanordnung um eine völlig überzogene Maßnahme der Veterinärbürokratie: „Die Krankheit ist nicht ausgebrochen und wird wahrscheinlich nie ausbrechen. Milch und Fleisch von den infizierten Tieren sind ungefährlich für Menschen. Im benachbarten Belgien und Holland wird Rinderherpes fast gar nicht bekämpft, dort dürften die Kühe weiterleben.“

„Kein Mensch in Aachen hat Verständnis dafür, dass gesunde Tiere abgeschlachtet werden“, erklärte Gabriele Rossbach von der Bürgerinitiative Rinder Retten, die Familie Giesen seit Beginn des Widerstandes im Juli 2019 unterstützt. Fast 75.000 Menschen haben inzwischen eine Petition gegen die Massentötung unterzeichnet. Rossbach vermutet, dass es bei der Tötung nur um Handelsvorteile für Rinderexporteure geht, viele Rinderhalter hätten Angst: „Die letzten zwei Jahre sind im Grenzgebiet sieben Herden zwangsweise getötet worden. Wenn das so weiter geht, traut sich künftig kein Bauer mehr, Rinder artgerecht auf der Weide zu halten. Die grasenden Kühe gehören für mich aber zur Voreifel, ich will mich auch künftig daran freuen.“

Zahlreiche Politiker aus der Region engagieren sich für eine Lösung, bei der die beiden Rinderherden leben bleiben können. „Die Tötung ist kein gesetzliches Muss, sondern nur eine Kann-Bestimmung, um die handelspolitischen Vorteile zu erhalten“, informierte Ute Nußbaum, Vorsitzender der CDU in Oberforstbach: „Unsere Europaabgeordnete Sabine Verheyen hat herausgefunden, dass auf EU-Ebene eine Lockerung der Vorgaben konkret geplant ist. Da muss es doch eine Möglichkeit geben, das Jahr bis dahin zu überbrücken“. Gegenüber Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser hat sie sich mit Parteifreunden dafür eingesetzt, dass über ein Pilotprojekt mit Quarantäne für die Giesen-Rinder die Herde aus dem Bestand heraus saniert werden darf.

Der politische Druck dürfte nach der heutigen Demonstration zunehmen. Rund 80 Traktoren und 10 Lastkraftwagen hatten die Straßen in Nütheim zugeparkt. Vor dem Stall, der nur von außen eingesehen werden konnte, „um keinen Anlass für Schikanen des Veterinäramtes zu geben“, wie Bauerntochter Anja Giesen begründete, gab es Brötchen, Glühpunsch und heiße Schokolade, wurden Kontakte geknüpft und Handynummern ausgetauscht. Karl-Heinz Krebs: „Alle sind sehr entschlossen. Als Landwirt freue ich mich über die große Solidarität aus der Stadt, das ist nicht selbstverständlich.“ red

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