Hochschwangere melden sich um: Mehr Potsdamerinnen gebären nicht mehr im Bergmann-Klinikum

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Das Verbot werdende Mütter in den Kreißsaal des Ernst von Bergmann Klinikums zu begleiten, zeigt erste Auswirkungen. Die Klinik beobachtet vermehrt Abmeldungen von Schwangeren. Sie wollen somit ihre Kinder nicht im Bergmann Klinikum bekommen. Das bestätigte die Chefärztin der Frauenklinik Dorothea Fischer auf Nachfrage der MAZ.

Die Potsdamer Krankenhäuser erachten das Verbot als notwendig, um die Eindämmung des Coronavirus zu gewährleisten. Was das für Mütter bedeutet, berichtet die schwangere Potsdamerin Romy Marquardt. „Es ist eine Zumutung alle Frauen allein in die Geburten zu schicken. Zumal zu so einem Zeitpunkt das Personal sich nicht eins-zu-eins um eine Frau kümmern kann.“ In der Folge müssen Hebammen und Ärztinnen die „Unsicherheiten, Ängste und Komplikationen allein auffangen“. Sie hat sich nun sicherheitshalber in Potsdam ab- und in einem Berliner Krankenhaus zur Geburt angemeldet.

Nicht alle Krankenhäuser verbieten Begleitung

Auch in Brandenburg halten nicht alle solche Verbote für notwendig. Peter Ledwon, Chefarzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Klinikum Brandenburg an der Havel, argumentiert dagegen: „Der Vater darf bei uns bei der Geburt dabei sein, weil er ohnehin vorher und nachher mit der Frau und dann auch dem Kind in engem Kontakt ist“, sagt er der MAZ im Interview. In Brandenburg an der Havel, gibt es dieses Verbot nicht. Das sei mit den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts vereinbar.

Auch in Potsdam wurden Gegenstimmen zum Verbot laut. Mit Hilfe einer Online-Petition sollen Väter doch noch auf den Potsdamer Geburtsstationen zugelassen werden. Darin steht: „Wir appellieren dringendst an den Potsdamer OB Mike Schubert sowie die Leitungen der Geburtenkliniken des Ernst-von-Bergmann sowie des St.-Josefs-Klinikums, den Besuch von Angehörigen für Schwangere auch angesichts der dramatischen Entwicklungen um Covid-19 zuzulassen, da unserer Meinung nach weder der Tod noch die Geburt eines Menschen ohne die Möglichkeit einer Begleitung von Angehörigen stattfinden darf.“

Sie wurde am Freitag auf der Plattform Change.org veröffentlicht und hat bis zum Montagabend bereits 1700 Unterzeichner gefunden. Mike Schubert hatte allerdings schon klargestellt, dass er Entscheidungen der Mediziner an den Potsdamer Kliniken nicht infrage stellen wird, um ihnen den Rücken freizuhalten.

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Von Jan Russezki, Peter Degener