Geben statt wegwerfen: So funktioniert die Tafel Potsdam

Rund 1200 Menschen in der Landeshauptstadt und im Umland sind auf die Tafel angewiesen, sogar 3000 sind dafür angemeldet. Jetzt brauchen die Helfer selbst Hilfe. Ein neuer Transporter muss her – dafür bittet die MAZ bei der „Sterntaler“-Weihnachtsaktion die Leser um Spenden. Ohne Auto kommen die wertvollen Lebensmittel nämlich nicht zu denen, die sie brauchen – aber wie funktioniert die Tafel eigentlich? Wir erklären es.

Was ist die Tafel?

In Deutschland gibt es mehr als 940 gemeinnützige Tafeln mit mehr als 2000 Tafel-Läden und Ausgabestellen, die überschüssige Lebensmittel sammeln und an bedürftige Menschen verteilen. Das Geld, das die Tafel-Kunden auf diese Weise für den Einkauf sparen, verschafft ihnen einen finanziellen Spielraum. Die Idee stammt aus den USA. Die erste deutsche Tafel wurde 1993 in Berlin gegründet. In Potsdam ist die Tafel seit 1998 aktiv. Etwa 60 Prozent der Tafeln sind Projekte in Trägerschaft gemeinnütziger Organisationen wie Diakonie, Caritas, DRK und Awo. Rund 40 Prozent der Tafeln – darunter die Potsdamer – sind eingetragene Vereine.

Wer kann die Hilfe der Tafel in Anspruch nehmen?

Menschen mit geringem Einkommen sind berechtigt, bei der Tafel Lebensmittel zu erhalten. Dabei gelten verschiedene Einkommensgrenzen für Alleinlebende, für Alleinerziehende, für Paare und für Paare mit Kindern. Die Ausgabekarte für die Potsdamer Tafel erhalten Menschen ab 18 Jahre mit Wohnsitz in Potsdam, Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf. Um die Karte zu bekommen, ist ein Bewilligungsbescheid für Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld, der Rentenbescheid oder ein anderer Einkommensnachweis sowie ein Ausweis vorzulegen. Die Karte gibt’s bei der Tafel-Sprechstunde – in Potsdam jeden Mittwoch von 11 bis 13 Uhr, in Teltow an jedem zweiten Freitag von 10 bis 11 Uhr.

Woher kommen die Lebensmittel, die die Tafel verteilt?

In Deutschland werden täglich viele Tonnen Lebensmittel vernichtet, obwohl sie noch genießbar wären. Händler und Hersteller stellen der Tafel diese nach der Marktlogik überflüssigen Lebensmittel zur Verfügung. Das sind zum Beispiel Waren, deren Haltbarkeitsdatum abläuft oder bereits abgelaufen ist oder aber das Brot vom Vortag. Die Potsdamer Tafel arbeitet derzeit mit etwa 70 Lebensmittel-Spendern zusammen. Mitunter spenden auch Drogerien – dann kann die Tafel auch Duschbad, Creme und andere Kosmetikprodukte weitergeben.

Wie kommen die Lebensmittel zur Tafel?

Die Potsdamer Tafel hat derzeit etwa 150 ehrenamtliche Helfer. Sie haben sich in Teams aufgeteilt. Das Fahrer-Team holt die Lebensmittel direkt beim Markt oder Hersteller ab. Im Moment sind vier Transporter im Einsatz – weil einer der Wagen recht alt ist und immer wieder repariert werden muss, soll er nun ausgetauscht werden. Dafür bittet die MAZ die Leser um Spenden.

Wie werden die Lebensmittel verteilt?

Die Touren beginnen um 7 Uhr in der Frühe. Erreichen die Transporter die Ausgabestelle, laden Fahrer, Beifahrer und das Ausgabeteam gemeinsam aus. Die Helfer des Ausgabeteams sichten und sortieren dann die Lebensmittel: Salat zu Salat, Brot zu Brot… Was leicht verdirbt, kommt in die Kühlung. Die Fahrer brechen zur nächsten Tour auf. Bis in den Nachmittag hinein rollen Lebensmittel bei der Tafel an – pro Woche über zehn Tonnen. Das Ausgabeteam entscheidet, wie viel pro Person ausgegeben werden kann. Für jeden Wochentag gibt es eine feste Truppe. Auch die meisten Kunden legen sich auf einen Wochentag fest, so kennt man sich und kann – wenn möglich – auf die Wünsche der Kunden eingehen. Wer seinen Einkauf bei der Tafel erledigt hat, zieht eine Losnummer für die nächste Woche. So sollen allzu lange Wartezeiten vor der Tür vermieden werden.

Bezahlen die Kunden der Tafel?

Ja, pro Kopf und Einkauf zahlen die Kunden 2 Euro. Die Waren, die sie dafür bekommen, sind aber viel mehr wert, um die 50 Euro.

Wie finanziert sich die Tafel?

Sechs Tage in der Woche Lebensmittel retten und verteilen bedeutet auch, dass an sechs Tagen in der Woche Kosten entstehen, etwa für die Transporter, für den Kraftstoff, für Versicherungen und Equipment, für die Miete und Nebenkosten der Ausgabe- und Geschäftsstelle. Die Potsdamer Tafel finanziert sich ausschließlich über Spenden und über den Obolus der Kunden.

Jeder Cent zählt! So können Sie helfen.

Die MAZ sammelt für die Potsdamer Tafel. Mit Ihren Spenden, liebe Leser, wollen wir der Tafel beim Kauf eines neuen Kühlwagens helfen.

Das Spendenkonto:

Tafel Potsdam e.V.

Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam

IBAN: DE93 1605 0000 3502 0266 44

BIC: WELADED1PMB

Verwendungszweck: MAZ-Sterntaler

Spendenquittungen erhalten Sie, sofern Sie Ihren Namen und Ihre Anschrift bei der Überweisung mit angeben und bei einer Spendensumme über 200 Euro automatisch.

Für Anregungen sind wir telefonisch unter 0331/2840280 und per E-Mail an potsdam-stadt@maz-online.de zu erreichen.

Wir danken unseren Spendern:

10 Euro: Alexandra Knuth. 20 Euro: Dr. Udo und Roswitha Becher, Elsbeth Jahn, Knuth und Sieglinde Kempa, Ellen Werth. 25 Euro: Astrid Teschner, Gunter Seipel, Elke und Bodo Matthes. 50 Euro: Roswitha und Martin Zierenberg, Christina Schwandt, Ruth und Guenter Boehm, Ulrike und Gerhard Kümmel, Annerose Bannasch, Luise und Horst Lohse, Heidrun Raeke. 200 Euro: Heike und Jürgen Niederhofer.

Von Nadine Fabian

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