Frauenkonzert: Patriarchat, K.I.Z. tanzt auf deinem Grab

Die Brüste sitzen perfekt, der Lippenstift auch. Tarek, Niko und Maxim von KIZ tragen Brautkleider, MakeUp, Schmuck. Sie sind hergerichtet für den vermeintlich wichtigsten Tag im Leben einer Frau.

Hart ist das. „Man kann sich nicht ins Gesicht fassen, man muss immer mit Strohhalm trinken.“ Aber sie genießen das Frausein: „Selten hat sich etwas richtiger angefühlt“, sagt Tarek. Tausende Frauen jubeln. 

Brutal entlarvend

Brutal, sexistisch, testosterongeladen – das sind die Texte von KIZ. Hier werden Mütter gefickt, in hoher Dichte.

Ihre Texte sind aber auch: ironisch, vielschichtig, entlarvend. Von Kennern werden sie deswegen gefeiert. Und zwar von beiden Geschlechtern, das zeigt sich jedes Jahr wieder.

Das neunte Konzert nur für Frauen

KIZ feiern schon seit 2011 den Frauentag mit einem Konzert exklusiv nur für Frauen. Als Zeichen gegen Sexismus im Showgeschäft gaben sie 2018 eine ganze Frauentour.

Der Erfolg gibt ihnen Recht: Am Freitagabend strömten Tausende junge Frauen in die Max-Schmeling-Halle, manche noch verkleidet von der Demo am Alex wenige Stunden zuvor.

Moshpits und „Ausziehen“-Sprechchöre

Ist ein KIZ-Konzert nur vor Frauen anders? Ja und nein. Denn KIZ bleiben KIZ. Sie spielen umstrittene Klassiker wie „Ich bin Adolf Hitler“ oder „Ein Affe und ein Pferd“ – und die ganze Halle rappt textsicher mit. Es ist voll, es wird gedrängelt. Im Publikum bilden sich Moshpits.

Und auch KIZ sind vor dem Sexismus ihres Publikums nicht gefeit: Als Maxim sich darüber beklagt, wie unbequem sein Kleid ist, erschallen „Ausziehen“-Sprechchöre. „Finde ich nicht gut, dass ihr hier solche Mechanismen reproduziert“, beschwert Maxim sich. Das „Ausziehen“ erklingt nur noch lauter.

„Ich brauch keinen Mann, nur euren Applaus“

Was anders ist: KIZ feiern die Frauen explizit. Und wären nicht KIZ, wenn sie dabei unpolitisch blieben. Mehr als zwei Stunden lang stehen sie auf der Bühne. Für die Frauenhymne der 00er-Jahre – Destinys Child „I’m a survivor“ – machen sie sogar einen Abstecher in das verachtete Genre Pop.

„Ich brauch keinen Mann, ich brauch nur euren Applaus“, ruft Niko – und die Halle tobt. KIZ geben den Befehl: „Hinknien, Schwestern!“ Das Publikum soll Wut sammeln, auf den letzten Typen, der sie betrogen hat, auf den Chef, auf den Vater, auf Gott, „der sich den ganzen Scheiß ausgedacht hat“. 

Dann erklingt „Hurensohn“, alle springen auf grölen: „Hurensohn, ich tanz‘ auf deinem Grab.“

Auf den Trümmern das Paradies

Der Frauentag im KIZ-Stil ist Frauenkampftag. Er spuckt dir ins Gesicht, wenn du ihm eine Rose anbietest.

Den Umsturz, das Ende des Patriarchats, das fordern KIZ an diesem Abend mit dem Refrain ihres letzten Songs, ihrem kommerziell bisher erfolgreichsten Song: „Hurra, die Welt geht unter – auf den Trümmern das Paradies“.  

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