Fotos vom Nobelpreisträger Orhan Pamuk, verschärfte Corona-Kontrollen in Potsdams Lokalen und eine Fête im Winter

Guten Morgen,
mögen Sie Krimis? Ich gebe zu, ich gehöre nicht zur Schar der “Tatort”-Anhänger, die mit Spannung auf jeden neuen Fall am Sonntagabend hinfiebern. Dann schon lieber ab und an Nordic Noir mit Kommissarin Lund, Saga Norén, Hanna Svensson und Co. Zwei Kommissarinnen ermitteln auch in der “Soko Potsdam” und für die mache ich sicher auch bei der dritten Staffel wieder eine Ausnahme. Warum? Weil Potsdam in dieser ZDF-Vorabendserie mehr sein darf als die Klischeetapete der üblichen Touristenattraktionen und ich meine Stadt da einigermaßen ungeschminkt wiedererkenne. Nun sind die Dreharbeiten, die wegen Corona im März abgebrochen werden mussten, wieder aufgenommen worden. Das Team – das Kommissariat ist diesmal an den Babelsberger Weberplatz verlegt worden – war bislang unter anderem auf dem Bassinplatz, im Kletterpark auf dem Telegrafenberg und auf dem Flugplatz Saarmund zugange. Wenn Sie in den kommenden Tagen in und um Potsdam also spektakuläre Polizeieinsätze beobachten, dann gucken Sie besser zweimal hin: Es könnte sich um Filmarbeiten handeln.

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Was könnte ich am Wochenende unternehmen?

Empfehlungen heute von Steffi Pyanoe

Musik vom Kommissar
Ein Fernseh-Kommissar, nämlich der Film- und Theaterschauspieler Stefan Jürgens alias Robert Hellmann im Berliner “Tatort” oder Major Carl Ribarski in der “Soko Wien”, macht auch Musik. Seit 2003 hat er bereits sechs Alben veröffentlicht. Am Samstag ist Jürgens beim Kultursommer auf der Werderaner Bismarckhöhe zu Gast. Das Konzert mit seiner Band verspricht „Poesie, scharfzüngige Komik und Momente voller hymnischer Kraft“ aus seinem Album „Was zählt“. 
Am Samstag um 19 Uhr auf der Bismarckhöhe Werder, Hoher Weg 150, 14542 Werder (Havel), Karten ab 29,60 Euro an der Abendkasse. 
 
Königsmord 
Drama und Tragödie liefert die Oper „Elektra“ mit Musik von Richard Strauss, das Libretto schrieb Hugo von Hoffmannsthal. Elektra, Königstochter von Mykene, hilft ihrem Bruder Orest, sich an den Mördern ihres Vaters zu rächen – die da wären Mutter und Stiefvater. Mit dieser Oper werden am Samstag die Salzburger Festspiele eröffnet. Das Potsdamer Kino Thalia überträgt das Spektakel live, außerdem Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel „Jedermann“
Am Samstag im Kino Thalia, Rudolf-Breitscheid-Straße 50, „Elektra“ um 17 Uhr, „Jedermann um 21 Uhr. Karten können telefonisch reserviert werden. 
 

Szenenbild aus dem Film “Jojo Rabbit”.Foto: Twentieth Century Fox/dpa

Unter Umständen
Um eine Kindheit im Nazireich geht es im Film „Jojo Rabbit“ (USA 2019). Der zehnjährige Jojo geht gerne mit dem Jungvolk campen und schwärmt für den Führer – der zumindest imaginär zum Ersatz für den im Krieg abwesenden Vater herhalten muss. Seine Mutter (Scarlett Johansson) hält indessen gar nichts von den Nazis und versteckt zu Hause ein jüdisches Mädchen. Je mehr der Krieg sich dem Ende nähert, desto mehr geraten Jojos Ansichten ins Wanken. 
Am Samstag um 22.30 Uhr open Air am Waschhaus, Karten kosten 10 Euro und müssen vorab online erworben werden. Es gibt keine Abendkasse!
 
Sonnengruß 
Mit erfrischendem Freiluft-Yoga beginnt der Sonntag im Park am Belvedere auf dem Pfingstberg mit Yoga-Lehrer Tom Seeger. Bitte eigene Matten mitbringen und warm genug anziehen. Eineinhalb Stunden dauert die Kurseinheit. 
Am Sonntag ab 10.30 Uhr am Belvedere auf dem Pfingstberg, die Teilnahme kostet 10 Euro. 
 
Kunst im Gespräch 
Der amerikanische Künstler Stephen Althouse verbrachte seine Kindheit im ländlichen Pennsylvania und entwickelte ein Interesse für nützliche, aber vergessene und verlassene Dinge, die mit dem Leben auf dem Land zu tun haben: Werkzeuge, Bauteile, Kleidungsstücke. Diese Objekte modelliert er zu fotografischen Skulpturen. Die Galerie Blumberg zeigt derzeit eine Ausstellung mit Fotografien von Althouse. Beim Künstlergespräch ist er nicht persönlich, aber doch live per Videoschalte dabei.
Am Sonntag von 12 bis 14 Uhr in der Galerie Blumberg, Jägerstraße 20. Der Eintritt kostet 5 Euro. Um Anmeldung per Telefon, Whatsapp und SMS oder E-mail wird gebeten.

Welche Termine sind am Wochenende wichtig?

Künstlerin Johanna Benz in der von ihr entwickelten Open-Air-Ausstellung “Putin in Altranft”. Foto: Patrick Pleul/dpa
  • 75 Jahre später: Im Rahmen des Kulturland-Themenjahres “Krieg und Frieden. 1945 und die Folgen in Brandenburg” werden am Wochenende mehrere neue Ausstellungen eröffnet – allerdings muss man dafür eine gewissen Anreiseweg auf sich nehmen. Das tut der brandenburgische Kulturstaatssekretär Tobias Dünow (SPD): Samstag 11 Uhr wird er in Altranft bei Bad Freienwalde erwartet, wo im Schlosspark des Oderbruch-Museums die Openair-Schau “Putin in Altranft” eröffnet wird. Die Leipziger Künstlerin Johanna Benz hat dafür die Dorfbewohner nach ihren Erinnerungen an die sowjetischen Streitkräfte befragt. 13 Uhr hält Dünow dann ein Grußwort in der Altranfter Patronatskirche, wo das “Tuch der Heimaten” zu sehen ist, gewoben aus Taschentüchern von Vertriebenen und Geflohenen der vergangenen 75 Jahre. Sonntag um 14 Uhr eröffnet – ohne Dünow – im Cartoonmuseum Brandenburg in Luckau (Dahme-Spreewald) die Ausstellung “Friede, Freude, Eierkuchen” mit Karikaturen zum Kalten Krieg.
  • Kunst im Pomonatempel: In Potsdam wird am Samstag um 14 Uhr im Pomonatempel auf dem Pfingstberg die Ausstellung “Pomonas Ausblicke” von Heike Jeschonnek eröffnet. In ihren Gemälden geht es um den Blick auf Potsdam heute und in Zukunft und die Rolle des Klimawandels. Zur Eröffnung gibt die Kunsthistorikerin Angelika Sommer eine Einführung.
  • Kunstpreis: Kulturstaatssekretär Dünow hält auch Sonntag die Fahne der Landesregierung hoch und zwar im Schloss Neuhardenberg. Dort wird 12 Uhr der diesjährige Brandenburgische Kunstpreis, den die Märkische Oderzeitung auslobt, verliehen. Die Preisträger sind kein Geheimnis: Geehrt werden der Maler Johannes Heisig, die Bildhauerin Marguerite Blume-Cárdenas, die Grafikerin Carola Kirsch und der Fotograf Ingar Krauss. Die Preise sind insgesamt mit 16.000 Euro dotiert.
  • Exzellente Nachwuchsmusiker: Das erst in diesem Jahr gegründete Junge Ensemble Neue Musik, dem Musikerinnen und Musiker der Jungen Philharmonie und der brandenburgischen Exzellenzzirkel angehören, kommt ab Sonntag erstmals zusammen. Auf Schloss Trebnitz in Müncheberg (Märkisch-Oderland) probt das Schülerensemble fünf Tage lang Werke aus dem 20. und 21. Jahrhundert, unter anderem von John Cage. Zum Abschluss am Donnerstag 17 Uhr gibt es bei freiem Eintritt ein Konzert in der Feldsteinscheune des Schlosses, für das man sich per Mail unter Angabe einer Telefonnummer anmelden kann.

Was soll ich heute lesen?

Istanbul bei Nacht.Foto: Orhan Pamuk/Lit.Potsdam

Nachtspaziergang durch Istanbul
Er wäre einer der Stargäste beim Literaturfestival Lit.Potsdam gewesen: Der türkische Nobelpreisträger Orhan Pamuk (“Rot ist mein Name”). Coronabedingt ist das Festivalprogramm bekanntlich über den Haufen geworfen worden, Pamuk kann leider nicht nach Deutschland kommen. Zu erleben ist er trotzdem – und zwar mit einer kaum bekannten Facette seines Schaffens: Der Schriftsteller ist auch Fotograf. Und als solcher war er in seiner Heimatstadt Istanbul unterwegs auf der Suche nach dem verschwundenen “Orange”, dem warmen Licht der Stadt seiner Kindheit und Jugend, das mehr und mehr vom kalten Licht der Neonröhren abgelöst wird. “Orange” ist auch der Titel des dabei entstandenen Bildbandes, der nun in Potsdam vorgestellt wird – die Fotografien werden außerdem im Kunstraum Potsdam zu sehen sein. Wieso sich der Besuch lohnt und was die Gäste des Literaturfestivals sonst noch erwartet, hat meine Kollegin Lena Schneider (rechtzeitig vor dem Festivalstart am kommenden Dienstag) hier für Sie aufgeschrieben.

Worüber spricht Potsdam heute?

Potsdamer Ordnungsamt kontrolliert Gastronomen auf Einhaltung der coronabedingten Abstandsregeln und Nachweispflichten.Foto: Andreas Klaer

Stadt verschärft Corona-Kontrollen
Das mulmige Gefühl, von dem mein Kollege Peer Straube gestern an dieser Stelle angesichts der Corona-Entwicklung in Potsdam geschrieben hat, teile ich auch: Bundesweit steigen die Zahlen allmählich wieder, mit dem bevorstehenden Ferienende kommen erstmals wieder viele Kinder an Kitas und Schulen zusammen und im Herbst muss im Zweifel bei jeder grippeähnlichen Erkrankung das volle Corona-Programm gefahren werden. Erhöhte Aufmerksamkeit und Rücksicht aufeinander sind gefragt. Am Freitag gab es zumindest im Fall der Potsdamer Kita “Kinderland” gute Nachrichten: Unter den Kontaktpersonen rund um die drei Infizierten gab es zunächst keine weiteren Neuinfektionen. Noch sind aber nicht alle Tests ausgewertet. Unterdessen hat die Stadtverwaltung die Corona-Kontrollen bei den Gastronomen verschärft – Ermahnungen allein haben nicht die erwünschte Wirkung erzielt, wie Sozialdezernentin Brigitte Meier (SPD) am Freitag sagte. Und auch einen Corona-Stufenplan hat die Stadt mittlerweile in der Schublade – alles Weitere erfahren Sie im Text von meinem Kollegen Kay Grimmer.

Was muss ich für heute wissen?

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher vor Mitarbeitern des Oberlinhauses.Foto: Andreas Klaer

• Das Corona-Update
Und es geht weiter mit Corona und dem Blick auf Brandenburg: Bis Freitag hat sich die Zahl der laborbestätigten Infektionen laut Landesgesundheitsministerium um 11 erhöht. Seit Beginn der Pandemie im Februar wurden damit 3582 laborbestätigte Fälle erfasst. Die Zahl der aktiv Erkrankten liegt derzeit bei etwa 100, fünf Menschen werden im Krankenhaus behandelt, davon eine Person auf der Intensivstation. Einen kleineren Ausbruch gab es bei einem Geflügelschlachter in Storkow (Oder-Spree), wo zwei Mitarbeiter positiv getestet wurden – sie sind ebenso wie ihre engen Kontaktpersonen nun in Isolation. Nachgebessert werden muss noch bei den am Freitag gestarteten Tests an den Flughäfen in Schönefeld und Tegel: Denn Abstriche werden dort – entgegen anderslautender Ankündigungen – nur von Reisenden genommen, die ein internetfähiges Smartphone besitzen, wie Urlaubsrückkehrer am Freitag erstaunt feststellen mussten.
Über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Potsdam und Brandenburg halten wie Sie wie gehabt im PNN-Newsblog auf dem Laufenden

• Oberlin-Mitarbeiter fordern Corona-Bonus

Frustriert sind derzeit viele Mitarbeiter der Oberlinklinik in Babelsberg, wie beim Besuch von Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) deutlich wurde: Anders als die Mitarbeiter am städtischen Bergmann-Klinikum ist für die Oberliner bislang kein Corona-Bonus geplant – obwohl sie wie ihre Kollegen an den anderen christlichen Krankenhäusern in Potsdam eingesprungen sind, als das Bergmann im Frühjahr wegen eines Corona-Ausbruches komplett ausfiel. Auch die Ministerin konnte aber am Freitag keine Versprechungen machen – meine Kollegin Marion Kaufmann war vor Ort.

• Fête de la Musique erstmals im Winter
Am längsten Tag des Jahres, dem 21. Juni, konnte die Potsdamer Fête de la Musique diesmal aus den bekannten Gründen größtenteils nur digital gefeiert werden. Die Organisatoren von den Kulturtänzern wollen das nun im Winter nachholen: Zur Wintersonnenwende am 20. Dezember, dem kürzesten Tag des Jahres, soll gemeinsam getanzt werden. Interessierte Musiker und Bands können sich bis Anfang September melden.

Wetter & Verkehr

Wetter
Erst heiß, dann laut: Bis zu 30 Grad und sonnig soll es am Samstag werden. In der Nacht auf Sonntag sind allerdings örtlich zum Teil kräftige Schauer und Gewitter vorhergesagt. Für Sonntag werden Temperaturen bis 25 Grad vorhergesagt. Es wird teils bewölkt, am Nachmittag kann es Schauer und Gewitter geben. Allergikern kann insbesondere der Beifuß zu schaffen machen.

Verkehr
Für Autofahrer gab es schon gestern an dieser Stelle Erfreuliches zum Abschluss einiger Potsdamer Baustellen. Heute habe ich eine gute Nachricht für alle, die mit dem Bus 614 in Richtung Nordwesten – genauer gesagt über Paretz und Ketzin nach Gutenpaaren – unterwegs sind: Ab heute fahren die Busse in der Ortslage Ketzin nach einer mehrmonatigen Umleitung wieder auf ihrer regulären Route.

Person des Tages

Birgit Fischer, ehemalige Kanutin und erfolgreichste deutsche Olympiasiegerin.Foto: Soeren Stache/dpa

Birgit Fischer
Heute vor 40 Jahren holte sie in Moskau zum ersten Mal olympisches Gold – und das war für die in Brandenburg/Havel geborene Kanutin erst der Auftakt: Eine einmalige Erfolgsserie gelang Birgit Fischer in den folgenden 24 Jahren. Mit acht Olympia-Siegen und vier Silbermedaillen ist sie bis heute die erfolgreichste deutsche Olympionikin und auf Platz unter ihren internationalen Konkurrentinnen. “Sie war ein Supertalent, das gibt es nur einmal in 100 Jahren”, konstatiert Jens Kahl, der Sportdirektor des Deutschen Kanu-Verbandes. Anlässlich ihres Olympia-Jubiläums erinnert sich die Sportlerin, die mittlerweile in Bollmannsruh ein Kanuschule betreibt, an Höhepunkte ihrer Karriere und erzählt, wieso sie von sportlichen Boykotten nichts hält.

Und damit entlasse ich Sie in ein Wochenende voll Spannung oder Entspannung, je nachdem, was Sie mögen. Montagmorgen begrüßt Sie hier wieder Peer Straube. Bis dahin – bleiben Sie gesund!

Ihre Jana Haase
PNN-Redakteurin

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