Ein bisschen DDR im Schloss

Berlin (MOZ) Das neue Schloss im alten Gewand wächst und gedeiht sichtbar. Doch noch haben viele Berliner und Brandenburger den schillernden Vorgänger-Bau nicht vergessen, der dort einst in der Sonne glänzte und zu Einkehr, Tanz und Wahlen lud. Der Palast der Republik war nicht nur ein Haus der Macht und Politik, sondern auch Heimat und Erinnerungsort vieler Ostdeutscher.

“Ein Ort, in dem viele Menschen eine gute Zeit verbracht haben”, sagt Alfred Hagemann, Leiter des Bereiches Geschichte des Ortes im Berliner Humboldt Forum. Wenn das Forum Ende des Jahres als Museumstempel im Gewand der einstigen Hohenzollernresidenz eröffnet, soll dort auch an die Vorgängerbauten erinnert werden. Zwölf Ausstellungsstücke stammen dabei aus dem 1976 eröffneten und in den Jahren 2006–2008  abgerissenen Palast der Republik.

Am Mittwoch stellte die Stiftung Humboldt Forum ein paar Relikte der Öffentlichkeit vor, die sie in ihren Besitz übernommen hat. Darunter sind ein paar silberne Eiskaffeebecher aus der Milchbar und die goldumrandeten – mit dem palasteigenen Monogramm PdR versehenen – Porzellanteller aus Ilmenau.

“Dieses Signet war allgegenwärtig auf Geschirr, Gläsern, Bierdeckeln und Briefköpfen”, berichtet Hagemann. Alles sei aufeinander abgestimmt gewesen, allerdings mit feinen Unterschieden. “Das Geschirr der öffentlichen Restaurants war mit einfachen, verschiedenfarbigen Rändern versehen, das Service für Staatsbankette aus derselben Thüringer Porzellanmanufaktur hob sich durch einen breiteren Goldrand ab”, so der Sammlungsleiter. Bequeme Polstermöbel und ein Tisch mit Schachbrettmuster weisen auf die doppelte Funktion des Palastes hin, der Repräsentationsbau der Staatsmacht und Kulturhaus gleichermaßen war. Eine Collage aus Programmheften und Plakaten soll im künftigen Humboldt Forum daran erinnern, dass der Palast vom Volk vor allem wegen seiner vielfältigen Gastronomie und seiner Konzerte mit Stars aus Ost und West besucht wurde.

Und das sehr gut. Nicht umsonst war unter den leuchtenden Wegweisern in die “Spreestuben”, in den “Jugendtreff” oder zum “Bowling” der Zusatz  “überfüllt” angebracht.  Der Hinweis konnte je nach Ansturm angeknipst werden. Teile dieses ausgefeilten Leit- und Orientierungssystems  aus den 70er-Jahren sollen nun in der Treppenhalle des neuen Schlosses gezeigt werden.

Die Piktogramme wurden wie das PdR-Signet von Klaus Wittkugel entworfen, einem der bedeutendsten Grafiker und Plakatkünstler im Osten. “Der Palast der Republik war das am stärksten durchdesignte Gebäude der DDR”, findet auch der Generalintendant des Humboldt Forums, Hartmut Dorgerloh, der auch 24 Objekte aus dem 1950 gesprengten alten Schloss zeigen will. Die Geschichte des Ortes sei von zentraler Bedeutung, um die Architektur und das Konzept des neuen Hauses zu verstehen, glaubt er.

Dazu gehört auch ein alter Monitor aus dem “Technischen Beobachtungszentrum” des DDR-Kulturtempels. Weil er zugleich Sitz der DDR-Volkskammer war, hatte dort die Stasi erst recht die Lampen an. 1001 Kugelleuchten hingen an den Decken. Sie gaben dem Haus den Spitznamen “Erichs Lampenladen”.

Auch davon werden einige Exemplare im Schloss aufgehängt. Von der einstigen Gemäldegalerie im Palast-Hauptfoyer wird ein Werk von Wolfgang Mattheuer gezeigt. Unter dem Titel “Dürfen Kommunisten träumen?” zeigt es eine Familie beim Spaziergang vor der Kulisse einer sich ausbreitenden Industriestadt.

Das bekannteste Kunstwerk aus dem Foyer bleibt allerdings im Depot des Deutschen Historischen Museums. Die Gläserne Blume, eine 5,20 Meter hohe und fast fünf Tonnen schwere Skulptur aus Edelstahl und Glas, hat ein statisches Problem und kommt durch brüchigen Kleber nicht mehr durch den TÜV. Auch mit der Variante eines Mini-Modells kam die Stiftung nie wirklich weiter. Unter anderem gab es Probleme mit einem der Erbauer. “Das deutsche Urheberrecht ist auf Künstlerkollektive nicht ausgerichtet”, so Hagemann.