Digitaler Instrumental-Unterricht

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Die Schließung der Schulen hat die Art und Weise des Unterrichts gravierend verändert und das Lernen ins Kinderzimmer verlagert. Auch für das Erlernen eines Instrumentes könnte die Nutzung von Smartphone und Computer eine brauchbare Alternative sein. Nicht nur die Schüler bleiben am Ball, sondern auch die Instrumentallehrer, die sich nicht sorgen müssen, dass ihre Schützlinge nach der Coronakrise alles vergessen haben. Für die vielen freien Musikschullehrer könnte das nicht zuletzt auch aus wirtschaftlichen Gründen ein Ausweg sein.

Keine Scheu vor der technischen Herausforderung

Zu den Vorreitern in Sachen Digitaler Unterricht gehört in der Kreismusikschule Teltow-Fläming der Jüterboger Frank Lawrenz, der sowohl in Jüterbog als auch in Luckenwalde circa 40 Schüler vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen in allen Altersklassen unterrichtet. Seit 1990 gehört der passionierte Heavy-Metal-Gitarrist, der bis zur Wende mit der DDR-Profi-Band „Biest“ tourte, zum festen Stamm der Musikschule. Eine Ausnahmesituation wie die jetzige hat auch er noch nicht erlebt. Da der Technik-begeisterte Cineast über ein eigenes Studio und einen Vorführraum verfügt und sich mit Verstärker- und Übertragungstechnik auskennt, hat er vor der technischen Herausforderung des Unterrichts via Livestream keine Scheu.

„Jammern ist in dieser Krise, zumindest für Musikschullehrer, keine Option. Viel schlimmer dran sind diejenigen, die ihre Geschäfte schließen oder zu Hause bleiben müssen und keine Möglichkeit haben, von dort zu arbeiten“, sagt der 58-Jährige.

Stufe drei erfolgreich gezündet

Die ersten beiden Stufen seines Fernunterrichts mit den meisten seiner Schüler waren der Austausch von Noten und das Hin- und Herschicken von Screenshots und Videos. Letzten Freitag zündeten Lawrenz und der 17-Jährige Maximilian Schink die dritte Stufe: Das Unterrichten am Bildschirm.

Bis zum Testlauf war ungewiss, ob die Internetgeschwindigkeit auf beiden Seiten ausreichen würde, um eine ruckelfreie Übertragung zu gewährleisten. 30 Minuten später strahlten Lehrer und Schüler. Sogar das Zusammenspiel hatte funktioniert und dank angeschlossenem Equalizer, Verstärker und Boxen war sogar der Sound ordentlich.

„Bei mir war die Soundqualität nicht so perfekt, aber es ist auf jeden Fall eine gute Alternative zum Unterrichtsausfall und lässt sich in Zukunft vielleicht sogar nutzen, falls ich mal krank bin und zu Hause bleiben muss“, schwärmt der junge Jüterboger, der seit zehn Jahren Musikschüler ist und das Gitarrespielen als sein größtes Hobby bezeichnet.

Nicht jeder hat die technischen Voraussetzungen

Damit steht er nicht allein. „Insgesamt haben wir an unseren Standorten Luckenwalde, Jüterbog und Zossen/ Waldstadt im Jahresdurchschnitt 1500 Schüler, die von 16 festen und 26 freien Lehrern unterrichtet werden“, sagt Kreismusikschul-Leiter Andreas Hüttner. Die Größenordnung zeigt, wie wichtig in der gegenwärtigen Situation die Suche nach Alternativen ist. „Zwingen können wir zum Online-Unterricht niemanden, denn nicht jeder Schüler und auch nicht jeder Lehrer verfügt über die technischen Voraussetzungen“, so Hüttner. Etwa ein Drittel der Lehrer tauschen sich derzeit in digitaler Form mit ihren Schülern aus und stehen kurz davor, dies auch live zu tun. Etwa zwei Drittel der von ihren Lehrern angefragten Schüler sehen im Online-Unterricht eine Chance. Geklärt werden muss, ob die Eltern die Alternative annehmen und, in dieser Notsituation, auch bezahlen wollen.

Von Uwe Klemens