D. A. Pennebaker: Dokumentator der Popmoderne

Es gibt eine Filmszene, die jeder kennt, auch wenn er oder sie den Namen D. A. Pennebaker noch nie gehört oder bereits wieder vergessen hat. Ein junger Sänger hält Papptafeln in der Hand, auf der signifikante Worte eines Songs verzeichnet sind, die er nach und nach abwirft. Das Prinzip einer derartigen Hervorhebung einzelner Begriffe ist oft kopiert worden, am schönsten im dem Episodenfilm „Tatsächlich Liebe“, in dem die Wörter eine Liebeserklärung darstellen. Etwas plumper hat es die deutsche Band Wir sind Helden kopiert. Die Originalszene aber stammt aus dem 1967 erschienenen Film „Don’t Look Back“ von D. A. Pennebaker, und der junge Mann ist Bob Dylan, der seinen Song „Subterranian Homesick Blues“ zum Besten gibt.

„Don’t Look Back“ ist nicht nur wegen dieser Szene, die den Wortartisten Bob Dylan kongenial ins Bild setzt, der berühmteste Film Pennebakers, obwohl er zahlreiche herausragende Dokumentarfilme über die amerikanische Pop- und Folkszene der 60er- und 70er-Jahre gedreht hat. Spätestens nach „Don’t Look Back“ filmte er deren Akteure aus nächster Nähe, es entstanden Arbeiten über Little Richard, David Bowie („Ziggy Stardust and The Spiders From Mars“), aber auch über die Schauspielerin Jane Fonda sowie das Festival von Monterey, Vorläufer Woodstocks.

Der 1925 in Evanston, Illinois geborene D. A. Pennebaker hatte als politischer Dokumentarist begonnen, 1960 begleitete er John F. Kennedy im Kampf um die Kandidatur gegen Hubert Humphrey. Er führte die Handkamera als stilprägendes filmisches Mittel ein, die es ihm erlaubte, sich als Filmemacher weitgehend unsichtbar zu machen. Das erhöhte den Eindruck der Authentizität, und so gelang es bereits in „Don’t Look Back“, intime Szenen zu erzeugen, die Dylan im Umgang mit Joan Baez und beim Schreiben von Songs zeigen. Von popmythologischer Bedeutung ist eine Szene, die einen bekifften Dylan im Streitgespräch mit John Lennon in einem Taxi zeigt, der Film „Eat The Document“ ist jedoch nie veröffentlicht worden und existiert lediglich als Schwarzkopie.

Als Pennebaker 2013 einen Oscar für sein Lebenswerk bekam, erzählte er eine charakteristische Anekdote über Bob Dylan. Nachdem dieser „Don’t Look Back“ vorab gesehen hatte, sagte er, er liefere eine Liste mit Dingen, die geändert werden müssten. Pennebaker war untröstlich. Am nächsten Tag erschien Dylan mit einem Block auf dem stand – nichts. „That’s it“ lautete sein schelmischer Kommentar. Am Freitag ist D. A. Pennebaker mit 94 Jahren gestorben.

%d Bloggern gefällt das: