Anna Loos zum Silly-Aus: Kein Streit, kein böses Blut

Die Silly-Fans sind noch immer geschockt: Ihre Lieblingsband und Sängerin Anna Loos (48) gehen künftig getrennte Wege. Doch kaum ist das Aus verkündet, weckt Anna Loos erste Hoffnungen auf ihre Rückkehr. Es gebe keinen Streit und kein böses Blut. In ein, zwei Jahren sei sie vielleicht wieder dabei.

So schnell könnte das offiziell erklärte Ende zur bloßen Atempause werden: Loos beschwört zum Erscheinen ihrer neuen Solo-Single „Hier“ den Zusammenhalt der Silly-Familie. Sie tritt damit Gerüchten über ein böses Zerwürfnis entgegen. Es habe vorerst nur der zündende Silly-Zukunftsplan gefehlt. 

Keine Eifersucht auf neue Sängerinnen

„Die Jungs wollen gern live spielen, die wollen ihre Alben mal alle abspielen“, sagte Anna Loos jetzt bei Radio Berlin 88,8. Das sei aber „nicht so mein Ding“. In ihrer Künstler-Seele habe es rumort, sie wollte neue Songs schreiben: „Das war wie so’n Schneeball, der so den Berg runter rollt, am Anfang ganz klein und das hat schon ’ne Wucht gekriegt auch für mich.“ Das Ergebnis ist ihr neues Solo-Album „Werkzeugkasten“, das am 8. März erscheinen soll. 

Dass die Silly-Jungs mit den Ersatz-Sängerinnen Julia Neigel und AnNa R. von Rosenstolz auf Tour gehen, macht die Vorgängerin nicht eifersüchtig. Anna Loos ist sich offenbar sicher, dass sie ihren Platz als Frontfrau zurückerobern kann. Über eine mögliche Wiedervereinigung sagt sie: „Vielleicht treffen wir uns ja in zwei Jahren oder in einem und sagen: Jetzt haben wir eine Idee. Das wollen wir zusammen machen.“ 

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Nachruf auf Opernsänger Theo Adam: Sachse aus Leidenschaft

Theo Adam starb am 10. Januar 2019. Er war einer der berühmtesten Wagnersänger seiner Zeit. „Seiner Zeit“ muss es heißen, denn als er Donnerstag starb, war er 92 Jahre alt. Am 1. August 1926 in Dresden geboren, stand er 1949 das erste Mal auf der Bühne. Öffentliche Auftritte hatte er schon als Mitglied des Dresdner Kreuzchores, dem er mit zehn beigetreten war, gehabt. Der Bassbariton Theo Adam war neben dem neun Jahre jüngeren Tenor Peter Schreier einer der erfolgreichsten sängerischen Exportartikel der DDR. Von 1952 bis 1980 sang er in Bayreuth. 13 Jahre davon den Wotan.

Mehr als einhundert Partien soll er gesungen haben. Eine Reihe von ihnen kann man auf Youtube hören. Im DDR-Fernsehen hatte er ab 1977 eine eigene Fernsehsendung. „Theo Adam lädt ein“ hieß sie. Er stellte darin internationale Operngrößen wie zum Beispiel Jessye Norman und junge Talente vor. Es waren Galaabende in der Semper-, der Staatsoper oder in anderen restaurierten architektonischen Juwelen. Die DDR als Kulturnation, die das deutsche Erbe bewahrt – dafür stand Theo Adam auch.

Theo Adam

Theo Adam als Kadmos im Musikdrama “Die Bassariden” 1997.

Theo Adam betonte, dass bei Wagner der Akzent auf der Kunst liege

Eine seiner Paraderollen war der Hans Sachs in Wagners Meistersängern. Die Zeilen „zerging in Dunst das heil’ge röm’sche Reich, uns bliebe gleich die heil ‘ge deutsche Kunst!“ sprangen einem damals ganz anders entgegen als heute. Er sang sie 1968 das erste Mal. Zuerst in Berlin an der Staatsoper und dann in Bayreuth unter Karl Böhm.

Wie erst mag das dem Sänger der Verse ergangen sein? In einem Interview mit August Everding erklärte er 1990, er habe immer versucht herauszuarbeiten, dass der Akzent bei Wagner auf Kunst liege. Das Reich, die Nation, das Deutschnationale sei nicht wichtig gewesen. Sein in einem MDR-Interview mit Claudia Henne geäußerter Satz, er sei Sachse aus Leidenschaft, muss wohl auch in diesem Zusammenhang verstanden werden. Deutschland war kein Begriff mehr, den man einfach in den Mund nehmen konnte. DDR musste man sagen, also ließ man es immer wieder gerne. Auch so entstanden aus den Trümmern des Reichs nach dem zweiten Weltkrieg in Ost und West wieder die Stämme.

Eine eher brüchige Stimme

Wer nur über ihn liest, macht sich ein falsches Bild von Theo Adams Stimme. Immer wieder wird die Kraft, die Stärke seiner Stimme betont. Aber die Stimme selbst ist eher brüchig. Wer sich eine Vorstellung von ihr machen möchte, der höre seinen Wotan im dritten Akt der Walküre. Brünnhilde wird gesungen von Birgit Nilsson. Theo Adam ist großartig. Die Verletzlichkeit seiner Stimme ist unüberhörbar in den ruhigen Passagen, im Legato. Wo er sich steigert, da wächst sie über sich hinaus, gewinnt eine Kraft, die die riesigen Opernhäuser füllt und keine Probleme hat, neben Birgit Nilsson zu bestehen. Ergreifend schön wird sie wenn er aus diesen Ausbrüchen sich zurückzieht und ihre Schwäche zeigt. Das Durchdonnern war seine Sache nicht. Zu unserem Glück.

Theo Adam – der Sängerdarsteller

Ich habe ihn nie auf der Bühne gesehen. Das ist schade. Denn er war ein Sängerdarsteller. Nicht so, wie man sie heute gerne hat, sondern einer der Spaß hatte am chargieren, der nicht davor zurückschreckte, sich dem Publikum an den Hals zu schmeißen. Im Rosenkavalier sang er immer wieder den Ochs auf Lerchenau. Auf Youtube gibt es eine Aufführung der Dresdner Semperoper aus dem Jahre ihrer Wiedereröffnung 1985, inszeniert von Joachim Herz. Man merkt Theo Adam an, wie viel Spaß es ihm macht, sich auf dem Sofa zu fläzen.

Adams Spielfreude steckt an. Als er aufsteht und ein Glas Wein in der Hand, einen Walzer hinlegt, da kann auch der tanzunfreudigste Betrachter kaum widerstehen, es ihm nachzutun. Die Schauspielerei ist aus der kindlichen Lust an der Nachahmung entstanden und in solchen Momenten treibt sie auch die Zuschauer dorthin zurück.

Dergleichen war lange verpönt und ist es heute vielerorts noch immer, aber das ist der Boden auf dem die Kunst wächst. Theo Adam, ein denkender Sänger, der auch ein paar anekdotenreiche Bücher über sein Musikerleben geschrieben hat, wusste es.

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Jimmy Page wird 75: Der größte Rockgitarrist der Welt – oder der zweitgrößte

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Ab Donnerstag im Kino: Verfilmung des Romans „Adam und Evelyn“

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Wichtige Lausitzer Zeitung in der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam restauriert

Ab jetzt ist es möglich, dass Lausitzer Heimatforscher und Historiker tagesaktuelle, interessante Begebenheiten und wichtige Ereignisse aus ihrer Region aus den 1920er und -30ger Jahren in der Stadt- und Landesbibliothek aus originalen Zeitungs-Quellen recherchieren können, darüber hinaus natürlich auch andere Interessierte.

Mit Hilfe von Fördermitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien konnten in der Stadt- und Landesbibliothek noch erhaltene, aber stark geschädigte Exemplare der „Lausitzer Landeszeitung und Handelsblatt : Tageszeitung für Stadt- und Land; Cottbuser Nachrichten Handelsblatt…“ restauriert werden.

Es handelt sich um 30 Quartalsausgaben der Jahre 1919 bis 1936, die trocken gereinigt, entsäuert, stabilisiert und in 15 Archivkartons verpackt wurden. Damit sind diese Ausgaben vor dem endgültigen Verfall gerettet worden.

„Für unsere Landesbibliothek ist das ein starkes Pfund, denn Zeitungen sind für die regionale Geschichtsschreibung von unschätzbarem Wert, um aus historischer Sicht Beweggründe, Debatten und letztlich Beschlüsse aus dieser Zeit nachvollziehen zu können“, so Dr. Frank Dirk Hoppe, Leiter der Abteilung Landesbibliothek an der SLB.

Die vorliegende Lausitzer Landeszeitung steht als Dokument für eine bewegte Zeit, in der Brandenburg aufgrund des Groß-Berlin-Gesetzes im Jahre 1920 in fast allen Bereichen verwaltungstechnisch neu definiert wurde. Das bedeutete für die in Brandenburg lebende Bevölkerung in den chaotischen Umbrüchen der Nachkriegszeit eine große Herausforderung, deren Bewältigung im Alltag der Einwohner sich hier an Hand der Quellen gut nachvollziehen lässt.

Die Nutzung der Zeitungen ist nur unter Aufsicht in den Räumen der SLB möglich, da trotz Restaurierung die originalen Papierausgaben noch sehr fragil sind. Ein dauerhafter Erhalt und eine größere Zugänglichkeit wird durch die Digitalisierung der Ausgaben im Rahmen eines neuen Projektes zeitnah erfolgen.

Auskunft erteilt Herr Dr. Frank Dirk Hoppe, E-Mail: hoppe@bibliothek.potsdam.de

Neu im Kino: „Colette“ ist das Porträt einer Frau, die ihre Zeit hinter sich lässt

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Christian Thielemann: Erstmals dirigiert ein Berliner das Wiener Neujahrskonzert

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Das „Beastie Boys Buch“: Die Geschichte einer der originellsten Popbands

Die Beastie Boys und der Dalai Lama gehören sicherlich zu den denkbar unwahrscheinlichsten Paarungen. Aber wer sich bis ins letzte Viertel des massiven „Beastie Boys Buch“ vorgearbeitet hat, den wundert es auch nicht mehr, Adam Yauch alias MCA und den ehrenwerten Religionsführer mit strahlendem Lächeln gemeinsam auf einem Foto zu finden.

Yauch hatte Anfang der Neunziger eine Stiftung gegründet, um den tibetanischen Mönchen Tantiemen zukommen zu lassen, deren Gesänge die Band für ihr viertes Album „Ill Communication“ gesamplet hatten. Und daraus entstand ab 1996 eine weltweite Serie hochkarätig besetzter Konzerte zur Unterstützung Tibets. Dies illustriert fein, wie wenig die New Yorker mit ihrem Image von lauthalsen Reimrüpeln zu tun haben, das ihnen dank Mittachtziger-Hits wie „Fight For Your Right (to Party)“ anhaftet.

Adam Yauch konnte an dieser Autobiografie der ersten und einflussreichsten weißen HipHop-Band nicht mehr mitarbeiten. Er starb 2012 mit 47 Jahren an Krebs. Aber er ist eine stete, inspirierende Präsenz in den Erzählungen der beiden verbliebenen Beasties Adam „Ad Rock“ Horowitz und Michael „Mike D“ Diamond.

Anekdoten, Erinnerungen

Das „Beastie Boys Buch“ wirkt wie ein verschollenes Album der Band, die zwei Kilo schweren 542 Seiten quellen über vor Anekdoten und Erinnerungen, mischen Popgeschichte und die Biografien, eilen in kurzen Kapiteln durch die erstaunliche Karriere des Trios und prunken dabei mit einer satten Gästeliste aus Großliteraten, Musikern und anderen der Band vertrauten Figuren.

Kein Wunder: Das Trio schaffte es innerhalb ein paar lächerlich kurzer Jahre von einem Hardcore-Punkscherz zu einer der erfolgreichsten Popbands der jüngeren Geschichte zu wachsen, aus einer Bande nerdiger Schulfreunde wurde eine der originellsten Formationen des Pop.

Davon erzählen in kryptischen Kurzgeschichten der Pulitzerpreisträger Colson Whitehead und sein Kollege Jonathan Lethem, die Regisseure Wes Anderson und Spike Jonze (der 1994 „Sabotage“ gedreht hat). Mit kritischem Witz rekapituliert indes die Schauspielerin Amy Poehler, (2011 im Video „Make Some Noise“ dabei), die Videos der Band, die feministische Schriftstellerin Ada Calhoun erklärt, warum es seltsam, aber okay war, die Beasties trotz gelegentlich pubertären Sexismus’ und homophoben Quatschs zu mögen: Weil sie jung, dumm und eben schon lustig gewesen seien – und ihre grundsätzliche Korrektheit bewiesen hätten, als sie sich später distanziert und entschuldigt haben.

Kate Schellenbach, ihre Drummerin in den Punkanfängen, erinnert sich, wie die drei Männer vor dem misogynem Marketingplan Rick Rubins, damals Chef des wegweisenden HipHop-Labels Def Jam, kniffen: Er sah weibliche Rapper schlicht nicht vor. Den Geist der ersten Jahre repräsentiert nicht zuletzt der enorme hydraulische Penis, mit dem sie die Rockstarpose einnahmen, als sie mit den ersten Alben zu Superstars geworden waren – als Mahnmal des heutigen schlechten Gewissens bezahlen sie bis heute einen Lagerraum für das sperrige Requisit.

So wird das Buch ganz nebenbei auch zu einem schönen Entwicklungsroman. Zu den eindringlichsten Szenen gehören die frühen Erinnerungen an die kreativbürgerliche Szenerie ihrer Schulzeiten in einem von Punk und der aufstrebenden Rapszene geprägten New York, als sie im Townhouse von Yauchs Eltern über deren Schlafzimmer die Nächte durchprobten und sich erst für den Punk der Bad Brains begeisterten und dann auf den frühen Rap-Parties landeten, um schließlich gleich zu Beginn mit Madonna und Run DMC zu touren und von lokalen Helden zu nationalen Größen wurden. Sie listen seitenlang Titel alter Mixtapes, schreiben Liebeserklärungen an Freunde und Vorbilder von Run DMC, zum schillernden Dub-Produzenten Lee Perry, den sie unerkannt durch eine Halloween Parade in ihr Studio schleusen konnten, weil er im Normalzustand aussah wie die verkleideten Paradisten.

Weisheit und Chuzpe

Plastisch berichten sie aus der Musikindustrie, von Sampling, Studio-Technologie und HipHop-Ästhetik; sie porträtieren Musikindustrielle, High End-Dealer und Amateur-Manager und streuen die auch im korrekten Pop offenbar üblichen Geschichten von enttäuschter Partnerschaft, Lehrgeld – und erlerntem Geschäftssinn: Yauch hatte 2004 die klasse Idee, einen Auftritt im Madison Square Garden von Fans aufzeichnen zu lassen (zu sehen im Konzertfilm „Awesome; I fucking shot that“). Dazu kaufte er 50 Videokameras, die er vor dem Konzert verteilte. Er bekam sie nicht nur allesamt wieder – er brachte sie am Tag darauf zum Händler zurück und ließ sich das Geld erstatten.

Wie sich hier Weisheit und Chuzpe mischen, das steht exemplarisch für dieses ganz wunderbare Musikbuch, dessen Miniaturen über die aufregende Geschichte der Band sich zu einem dichten Zeitpanorama fügen.

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Adam Horowitz, Mike Diamond: Beastie Boys Buch. Heyne, München 2018. 542 S., 40 Euro