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Berlinale-Wettbewerb: Vater, Mutter, Kind – „So long, my son“

Der Film „So long, my son“ erhält von unserer Filmkritikerin vier von fünf Sternen. ★★★★

★ Totaler Flop

★★ Misslungen

★★★ Sehenswert

★★★★ Bären-Kandidat

★★★★★ Meisterwerk

Der Film braucht nur eine Szene, um die heilige Ordnung vorzustellen: Vater, Mutter, Kind. Sie sitzen miteinander beim Essen, die zärtliche Fürsorge des Vaters drückt sich darin aus, dass dieser dem kleinen Sohn drei Erdnüsse in die Essschale legt. In der nächsten Szene ist das Kind tot. Ertrunken beim Spielen im Stausee nahe der Stadt. Aus respektvoller Distanz zeigt die Kamera den verzweifelten Schmerz der Eltern. „So long, my son“ von dem chinesischen Regisseur Wang Xiaoshuai („Beijing Bicycle“) ist nach „Systemsprenger“ der zweite Film im Berlinale-Wettbewerb, der die Zerstörung der Familie als eine nicht wieder gut zu machende Katastrophe darstellt. Doch hat er eine Größe und Tiefe, die fast jedem anderen Film fehlte.

„So long, my son“ – Die Auswirkungen der Ein-Kind-Politik in China

Die familiäre Tragödie hat eine politische Dimension: Die Ein-Kind-Politik in China zwischen 1979 und 2016. Auf diese Weise wurde das Bevölkerungswachstum unter Kontrolle gehalten, was letztlich auch eine Voraussetzung für den ökonomischen Erfolg des Landes war. Doch das thematisiert der Film nicht. Er zeigt die grausamen Auswirkungen dieser Familienpolitik auf seine Protagonisten. Xingxing war der einzige Sohn.

Dabei war Liyun nach seiner Geburt noch einmal schwanger. Doch die engste Freundin, die in der Fabrik, in der sie alle arbeiten, zuständig für die Durchsetzung dieser Politik ist, zwingt sie zu einer Abtreibung. All dies wird in langen Rückblenden erzählt, die Filmhandlung spannt sich über drei Jahrzehnte. Beiläufig thematisiert wird hier auch die Wendung Chinas zur Marktwirtschaft, die mit Entlassungen in der Fabrik einhergeht, auch der von Liyun. Die Abtreibung erscheint nun auch noch als unnötiges Opfer.

Kein Mensch kann einen anderen ersetzen

Die Filmhandlung setzt ein, als der Junge, den die Eltern an Xingxings statt angenommen haben, revoltiert und sie schließlich verlässt. Sie haben ihm den Namen des Toten gegeben. Jeder Psychologe hätte ihnen sagen können, dass kein Mensch Ersatz für einen anderen sein kann. Doch Psychologen gibt es nicht in diesem Film. Auch wird nicht viel geredet. Es sind Gesten, die Gefühle ausdrücken, und an denen einen die Kamera in langen, ruhigen Einstellungen teilnehmen lässt. Sie wahrt fast immer Abstand und ermöglicht es einem trotzdem, mitzufühlen.

Eine bleierne Zeit

Es beginnt eine bleierne Zeit für das Paar, das längst aus dem Norden in den Süden gezogen ist, in eine Gegend, in der sie keiner kennt, in der sie nicht einmal den örtlichen Dialekt verstehen. Sie sind fremd hier, aber nicht so fremd, wie sie es in der Heimat in der großen Stadt im Norden wären, inmitten der Familien, in der Nähe ihrer engsten Freunde, deren Sohn am selben Tag geboren wurde wie ihr eigener und dessen Freund er war. In der Fremde stört sie niemand dabei, wenn sie den Ablauf des Lebens nachahmen, indem sie arbeiten, essen, schlafen.

Einladung der sterbenskranken Freundin

All diese Gesten wirken wie hohle Larven, aus den das Leben längst entwichen ist. „Wir warten darauf, alt zu werden“, sagt der Mann, Yaojun. Der innere Stillstand wird durch nichts gestört. Während im Land die Wirtschaft explodiert, vieles abgerissen und aufgebaut wird, ist davon in dem beschaulichen Hafenstädtchen nichts zu merken.

Erst als sie der Einladung ihrer sterbenskranken Freundin folgen, die Mutter des Freunds ihres toten Sohnes, die Frau, die die Abtreibung erzwungen hat, kommen sie in eine völlig veränderte Stadt im Norden, in der es luxuriöse Einkaufszentren gibt und Leute, die in der Privatwirtschaft reich geworden sind, wie auch ihre Freunde. „Es gibt keine Spuren unserer Vergangenheit mehr“, sagt Liyun. Das klingt nostalgisch, doch bewertet der Film die Entwicklung nicht.
Befreiendes Geständnis

Am Ende gesteht der erwachsene Sohn der Freunde den Eltern Xingxings, dass er am Tod ihres Kindes schuld ist. Er will sich endlich von dieser Last befreien. Man kann die Szene als Botschaft auffassen: Es ist erlösend, sich den problematischen, ja traumatischen Aspekten der Vergangenheit zu stellen. Das gilt nicht nur für den einzelnen Menschen, sondern auch für ein ganzes Land.

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