Potsdam soll noch kinderfreundlicher werden

Potsdam – Irgendwann, so wünscht es sich Stefanie Buhr, soll die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Entwicklung der Stadt selbstverständlich werden. „So wie das Runterschalten in der Kurve im Auto, etwas, über das man gar nicht mehr nachdenkt.“ Die 37-Jährige ist seit Anfang Oktober Koordinatorin für Kinder- und Jugendinteressen in Potsdam. „Meine Hauptaufgabe ist es, die UN-Kinderrechtskonvention ins Verwaltungshandeln zu implementieren“, erklärte Buhr am Dienstag bei ihrer Vorstellung vor der Presse.

Verkehrsplanung mit Kindern

Das klingt abstrakt, aber, das versichert Buhr, das sei es nicht. Konkret geht es etwa darum, Kinder und Jugendliche an der Stadtplanung zu beteiligen, an der Radwegeführung oder Taktung von Bussen und Straßenbahnen. „Auch Kinder gehen auf den Wegen, nutzen die Plätze, und sie können selbst mitüberlegen, wie diese noch kinderfreundlicher werden können“, sagt Buhr. Ihre Aufgabe ist es nun, dieses auch in der Stadtverwaltung noch weiter voran zu bringen. Zum Teil werde das schon heute berücksichtigt, etwa bei der Spielplatzgestaltung. Bei der Stadtentwicklung oder Verkehrsplanung aber gebe es noch Bedarf.

Stadt hat Aktionsplan verabschiedet

Die neu geschaffene Stelle der Koordinatorin in der Verwaltung ist Teil des Aktionsplans Kinderfreundliche Kommune. Dieses Siegel hatte die Stadt vom gleichnamigen Verein, einer gemeinsamen Initiative von Unicef und dem Deutschen Kinderhilfswerk erhalten. Dieses wird an Städte vergeben, die bereit sind, in einem vierjährigen Prozess für die Umsetzung der 1990 in Kraft getretenen UN-Kinderrechtskonvention auf kommunaler Ebene zu sorgen. Potsdam ist also noch nicht komplett kinderfreundlich, möchte es aber werden. Der Aktionsplan, den die Stadt dazu verabschiedet hat, umfasst 58 Maßnahmen für 340.000 Euro – darunter auch die Schaffung eben jener Stelle, die nun Stefanie Buhr innehat.

Stefanie Bu ist seit dem 1. Oktober 2018 Koordinatorin für Kinder- und Jugendinteressen der Stadt Potsdam.Foto: Sandra Calvez

Kinderrechtekoffer zum Ausleihen

„Ich glaube nicht, dass es den Kindern bewusst ist, dass Beteiligung ein Kinderrecht ist“, sagt Buhr. Öffentlichkeitsarbeit sieht sie deshalb auch als eine ihrer wichtigen Aufgaben. Zu den Maßnahmen des Aktionsplans gehört deshalb auch ein Kinderrechtekoffer, den Horte oder Kindergärten ausleihen könne, um zu informieren. Auch will sie Workshops für Mitarbeiter der Verwaltung anbieten.

Wünsche der Kinder berücksichtigen

Kinder und Jugendliche in Entscheidungen einzubeziehen, habe verschiedene Vorteile, erklärten Manuela Neels vom Kinder- und Jugendbüro Potsdam und Jugendhilfeplanerin Birgit Ukrow. Beide haben am Aktionsplan mitgeschrieben und beschäftigen sich seit Jahren mit den Themen. Sie werden in Zukunft eng mit Buhr zusammenarbeiten. Zum einen könne bedarfsgerechter geplant werden. Sprich: Was wünschen sich die Jugendlichen wirklich? Eher einen Platz mit Spielgeräten oder einen Parcours? „Wenn Schüler ihren Schulhof mitgestalten, ist die Identifikation höher, es gibt weniger Vandalismus.“ Umgesetzt wurde so etwas etwa kürzlich an der Steuben-Gesamtschule. Positiver Nebeneffekt: Auch der demokratische Prozess wird erlernt und eingeübt.

Beteiligung braucht Zeit

Gerade bei der Beteiligung von Kindern an der Spielplatzplanung sei Potsdam vorbildlich, so Ukrow. Aber in so manchem Bereich der Verwaltung gebe es auch Bedenken. Denn: Beteiligung braucht Zeit. Es ist ein Umweg, etwa bei Bauvorhaben, der den Prozess verlangsamt. Doch, so betont Buhr, auch in der Brandenburgischen Kommunalverfassung sei das Recht von Kindern auf Beteiligung im Juni dieses Jahres noch einmal explizit festgeschrieben worden. Und zwar in allen sie berührenden Belangen. Das heißt, es geht nicht nur um den Schulhof oder den Spielplatz, sondern eben auch um die Stadtplanung. Auf der Agenda der neuen Koordinatorin steht deshalb auch das Thema Krampnitz. Sehr konkret sind ihre Vorstellungen dazu noch nicht, aber wo ein neuer Stadtteil mit vielen Kindern entsteht, müssten deren Interessen mitgedacht werden. Buhr sieht sich als eine Art Lobbyistin für Kinder.

Neben der Beteiligung geht es auch um die Erschließung neuer Räume für die Jugend. So sollen etwa im Kirchsteigfeld, wo es zu wenig Spielraum gebe, in einem Modellversuch schon im kommenden Jahr bestimmte Schulhöfe auch am Wochenende zugänglich gemacht werden.

Ein Topf Geld für Kinder-Projekte

Ein Projekt, das Stefanie Buhr angreifen möchte, ist ein eigenes Kinder- und Jugendbudget, über dessen Verwendung diese selbst mitentscheiden dürfen. Auch das ist eine der Maßnahmen im Aktionsplan. 30.000 Euro sind dafür veranschlagt, ein Euro pro Kind oder Jugendlichem in der Stadt. Für Buhr ist das bereits bekanntes Terrain: Vorher war die studierte Soziologin acht Jahre lang in der Jugendarbeit in Kleinmachnow tätig und hat dort unter anderem ein solches Kinder- und Jugendbudget ins Leben gerufen. „Ein Topf Geld, mit dem die Kinder ihre eigenen Projekte finanzieren können“, so Buhr. Natürlich eingerahmt von Richtlinien, die im kommenden Jahr entwickelt werden sollen, damit das Budget 2020 starten kann.

https://www.pnn.de/potsdam/stadtentwicklung-oder-verkehrsplanung-potsdam-soll-noch-kinderfreundlicher-werden/23748086.html

Schütteltrauma: Verletzungen wie bei Michael Schumacher

Allem Anschein nach ist die junge Frau auf der Anklagebank als Mutter eigentlich nicht auffällig gewesen. Zwar wird sie nicht als überschwänglich liebevoll beschrieben, aber auch nicht als gleichgültig oder aufbrausend.

Der Staatsanwalt wirft Marlene N. (26, Name geändert) vor, ihren erst zwei Monate alten Sohn dermaßen geschüttelt und geschlagen zu haben, dass der schwer verletzte Junge im Krankenhaus notoperiert werden musste.

Die Beweislage für das Strafverfahren vor dem Schöffengericht Brandenburg/Havel ist relativ dünn. Denn es gibt keine Augenzeugen einer Misshandlung. Außerdem liegt die mutmaßliche Tat mehr als vier Jahre zurück.

Schütteltrauma und Kopfverletzung

Die Anklage stützt sich auf die Einschätzung von Ärzten, die den Jungen seinerzeit behandelt haben. Sie führten die Blutergüsse im Gehirn und die Kopfverletzung auf ein Schütteltrauma zurück.

Die gelernte Tierwirtin, die im Hohen Fläming lebt, bestreitet den Vorwurf, sie habe ihr Baby so übel zugerichtet. Sie beschreibt sich selbst als eine Frau, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt.

Jannis (Name geändert) war noch gar nicht auf der Welt, da hatten sich Mutter und Vater schon getrennt. Als der Junge im Spätsommer 2014 geboren wurde, lebte der Vater nicht mehr bei der Familie.

Normal entwickelt

Er kam nur noch gelegentlich in die alte gemeinsame Wohnung, um seine ältere Tochter zu sehen. An dem neugeborenen Jungen hatte er damals keinerlei Interesse.

Im Gerichtssaal ist der Vater Zeuge. Er berichtet, dass er seinen Jungen inzwischen nicht oft, aber regelmäßig besuche. Jannis habe sich „ganz normal entwickelt“.

Der Mann versichert dem Gericht außerdem, dass er seiner Ex-Frau eine solche Gewalttat gegen den eigenen Sohn nicht zutraue.  

Notoperation

Marlene N. war am 24. November 2014 mit dem verletzten Baby ins Krankenhaus gefahren. Die Ärzte dort kamen nach ihrer Untersuchung und der Notoperation des Kleinen zu dem Schluss, dass jemand ihm Gewalt angetan hat.

Wie heftig diese Gewalt gewesen sein muss, beschreibt der Kindesvater: „Der Arzt hat mir damals gesagt: Die Verletzungen von Ihrem Sohn sind so schwer wie die von Michael Schumacher.“

Weil sonst niemand für die Tat in Frage kommt, klagte die Staatsanwaltschaft Potsdam die Kindesmutter wegen gefährlicher Körperverletzung an – allerdings erst geraume Zeit nach jenem 24. November 2014.

Wie ist die Mutter?

Das Schöffengericht versucht, sich mit Hilfe von Zeugen ein Bild von der Angeklagten zu machen – wie sie als Partnerin damals war, als Mutter und auch als jemand, der finanziell klamm ist und staatliche Unterstützung in Anspruch nimmt.

Am nächsten Prozesstag Ende Dezember sollen die Mutter der Angeklagten und die Leiterin eines Präventionsprojekts im Hohen Fläming als Zeugen vor dem Schöffengericht aussagen. Erst danach spricht der ärztliche Gutachter und berichtet, wie er die Schädigung des Jungen einschätzt.

Von Jürgen Lauterbach

Bislang kommen noch keine weiteren Flüchtlinge

18:11 11.12.2018

ARCHIV - 11.10.2018, Spanien, Mittelmeer: Flüchtlinge die auf einem Schlauchboot im Mittelmeer treiben freuen sich über die Ankunft eines Schiffes der spanischen Nichtregierungsorganisation Pro Activa Open Arms, im Alborán-Meer, etwa 64 Kilometer von der spanischen Küste entfernt.

ARCHIV – 11.10.2018, Spanien, Mittelmeer: Flüchtlinge die auf einem Schlauchboot im Mittelmeer treiben freuen sich über die Ankunft eines Schiffes der spanischen Nichtregierungsorganisation Pro Activa Open Arms, im Alborán-Meer, etwa 64 Kilometer von der spanischen Küste entfernt. Quelle: Javier Fergo / dpa

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Leben ohne Mutter: Das traurige Schicksal der Familie Junk

 Das Schicksal hat es mit Christian Junk und den beiden Töchter Xenia und Kimberly in diesem Jahr nicht gut gemeint. Die Kinder haben ihre Mutter verloren und der 37-Jährige seine Frau Sabrina. „Es fing im März dieses Jahres harmlos mit Bauchschmerzen an“, sagt Christian Junk. Im Juli die Diagnose: Magenkrebs.

Hoffnung bis zuletzt

Die Familie hatte gehofft, dass durch Chemotherapie und Operation eine Besserung eintritt. Anfangs hatte die Chemotherapie nicht angeschlagen. „Und als sie anschlug, war es zu spät“, berichtet Christian Junk. Die Schmerzmittel, die sie zuletzt erhielt, sollten ihr das Leben erleichtern. Im Oktober kam der Pfleger zu ihr nach Altes Lager und teilte ihr mit, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Bei der Untersuchung am 6. November bestätigten die Ärzte die traurige Nachricht, dass man ihr nicht mehr helfen könne.

Ein Foto im Regal

Eigentlich sollte sie an diesem Tag ins Hospiz nach Luckenwalde. Doch Sabrina Junk hatte darum gebeten, noch einen Tag zu Hause zu bleiben. Dort ist sie einen Tag später, am 7. November im Alter von 38 Jahren verstorben. „Ich denke, sie hat gefühlt, dass es zu Ende geht. Die Organe haben versagt. Sie war zuletzt so abgemagert und hatte keine Kraft mehr“, sagt Christian Junk. Im Regal steht ein Bild von ihr aus besseren Tagen. Auf dem Handy hat er die Bilder, die er den Kindern ersparen will.

Die MAZ-Sterntaler-Aktion

Die Weihnachtsaktion der MAZ in Kooperation mit dem DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald soll unverschuldet in Not geratene Familien unterstützen.

Das Spendenkonto wird vom DRK verwaltet, das auf Wunsch auch Spendenquittungen ausstellt.

Konto für die Spenden: DRK Fläming-Spreewald. IBAN: DE 30 1605  0000 3633 0275 39, Stichwort: Sterntaler.

Die MAZ veröffentlicht die Namen der Spender. Ist das nicht gewünscht, kann dies bei der Überweisung entsprechend angegeben werden.

Dieses Jahr unterstützen die Sterntaler auch Kindereinrichtungen aus Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald, die Weihnachtswünsche haben.

Die Kita braucht neue Lernspiele? Der Hort ein bequemes Kuschelsofa? Schildern Sie uns bis zum 31. Dezember 2018 Ihren Wunsch (inklusive Kostenschätzung, Maximalbetrag 3000 Euro) per Mail an desk.df@MAZ-online.de oder per Post an MAZ Regionalverlag Dahmeland-Fläming, Stichwort: Sterntaler, Bahnhofstraße 17a, 15711 Königs Wusterhausen.

Einen Weihnachtsbaum für die Kinder

Den Mädchen, der sechsjährigen Kimberly und der neunjährigen Xenia, fehlt die Mutter jeden Tag. „Sie war immer lustig und hat Scherze mit uns gemacht“, erzählt Xenia. Am liebsten würde Christian Junk das Weihnachtsfest ausfallen lassen. Doch das Jugendamt bat darum, dass er für die Kinder einen Baum aufstellt.

Kostenübernahme noch unklar

An Geschenke ist erst mal nicht zu denken. Denn noch steht nicht fest, wie viel die Beerdigung kostet, und in welcher Höhe die Kosten vom Amt übernommen werden. „Mir wäre es lieber gewesen, die Beerdigung wäre schon vorbei. Das wäre für die Kinder leichter. So kommt dann alles noch mal hoch“, fügt Junk hinzu. Bevor die Kostenübernahme nicht geklärt ist, gibt es auch keine Beisetzung.

Über Ungarn in den Westen

Kennengelernt hatte er seine Frau in seiner Heimat in Oberfranken. Sabrina Junk, die aus Potsdam-Mittelmark stammte, war zu DDR-Zeiten gemeinsam mit ihrer Schwester über Ungarn nach Westdeutschland gelangt. Nach der Wende wollte sie gern wieder zurück in die Heimat. Seit 2009 lebt die Familie in Altes Lager. Sabrina Junk bewohnte mit den Kinder die Wohnung in der zweiten Etage. Christian Junk eine Treppe höher. Xenia und Kimberly sind jetzt in die Wohnung des Vaters gezogen, weil die kleiner und preiswerter ist. Noch steht nicht alles an dem Platz, an dem es hingehört. Aber die Mädchen sind froh, dass sich ihr Papa um sie kümmert und dass sie bei ihm Trost finden.

Zwei Jobs

Um finanziell über die Runden zu kommen, trägt Christian Junk morgens vor der Arbeit Zeitungen aus. Anschließend beginnt dann sein Job als Recylingmitarbeiter. In seinem erlernten Beruf als Bäcker arbeitet er seit Jahren nicht mehr. Gebacken und gekocht wird nur für die Familie. „Ich habe fünf Geschwister, für die musste ich zu Hause oft kochen“, berichtet er.

Können den Tod der Mutter nicht fassen

Den Tod der Mutter können die Mädchen noch immer nicht fassen. Sie versuchen den Alltag jetzt ohne sie zu meistern – aber es ist schwer. Jeden Morgen fahre sie mit dem Schulbus in die Thomas-Müntzer- Grundschule in Blönsdorf. Weihnachten steht vor der Tür und das Geld ist knapp und die Trauer groß. „Ich habe keine Wünsche zu Weihnachten. Ich möchte nur, dass es den Kindern gut geht“, sagt der Vater.

Sterntaler-Aktion

Er kann kaum glauben, dass bei der MAZ-Sterntaler-Aktion Wünsche der Mädchen erfüllt werden könnten. „Ich hätte so gern ein schönes neues Fahrrad. Am liebsten ein blaues“, sagt Kimberly. Ihr Fahrrad wurde vor kurzem vor der Haustür gestohlen. Und falls noch etwas auf die Wunschliste passt, dann würde sie sich über ein Playmobil-Krankenhaus und eine Schminkpuppe freuen. Bei dem Wort Fahrrad bekommt auch Xenia große Augen. Sie hätte auch gern eins. Ihre Lieblingsfarbe ist lila. Zudem gefällt ihr auch die große Playmobilschule.

Von Margrit Hahn

Erotisches läuft online besonders gut

Adventszeit ist Lesezeit. Wenn es draußen dunkel und ungemütlich ist, vertiefen sich viele Menschen gern in ein gutes Buch, um so dem Vorweihnachtstrubel zu entfliehen. Das zeigt auch die Zahl der Entleihungen in den Bibliotheken der Region, die dieser Tage wieder ansteigt.

„Neben der Urlaubszeit im Sommer und den Herbstferien gehört die Weihnachtszeit zu den lesestärksten Wochen im Jahr“, sagt Melanie Elamri, Mitarbeiterin der Kreisbibliothek Havelland. Gemeinsam mit Martina Lenz, Leiterin der Einrichtung, beliefert sie 27 Bibliotheken im Havelland.

Dazu gehören hauptamtliche Einrichtungen ebenso wie die kleineren Bibliotheken in den Dörfern, die von Ehrenamtlern betrieben werden. Auch Schulbibliotheken werden mit neuem Lesestoff versorgt.

Diese und viele weitere druckfrische Neuerscheinungen sind gerade in der Kreisbibliothek eingetroffen und werden nun von Martina Lenz und Melanie Elamri sortiert und registiert. Quelle: Christin Schmidt

Gerade sind wieder zahlreiche frisch gedruckte Neuerscheinungen eingetroffen, die die beiden Frauen in den Räumen der Kreisbibliothek bereits ausgepackt und vorsortiert haben. „Jedes Buch wird von uns mit einem Interessenaufkleber versehen und foliert, anschließend bringen wir die Bücher in die Bibliotheken“, erklärt Martina Lenz. Allein in diesem Jahr haben sie bisher 1600 Medien in den Bestand aufgenommen. 2017 waren es insgesamt 1900 neue Medien.

Aber wie wählt man bei knapp 80.000 Neuerscheinungen pro Jahr die richtigen Bücher aus? „Wir richten uns zum einen nach den Wünschen der Leser, zum anderen recherchieren wir selbst“, verrät Melanie Elamri. Hilfreich sind dabei die Kataloge der Buchhandlungen mit diversen Empfehlungen.

Zudem recherchieren die beiden auch auf der Internetplattform Amazon und natürlich lesen sie selbst viel und haben jede Menge Erfahrung. „Bei einige Autoren wissen wir, dass die Bücher stark nachgefragt werden. Einige Romane sind zwei Jahre alt und werden noch immer vorbestellt“, so Lenz.

Statt Bücher einen Leseausweis verschenken

Bestseller von Charlotte Link, Lucinda Riley, Jo Nesbø und vielen anderen hat die Kreisbibliothek sofort im Bestand, zumindest in der gedruckten Ausgabe. „Die E-Books geben große Verlage inzwischen erst einige Monate später heraus, vermutlich um dem gedruckten Buch weniger Konkurrenz zu machen. Sobald es das E-Book gibt, haben wir aber auch das im Bestand“, erklärt Elamri.

Seit Frühjahr 2015 bietet die Kreisbibliothek die sogenannte Onleihe an, mit der die Nutzer aller 27 Bibliotheken über das Internet auf den digitalen Bestand der Kreisbibliothek zugreifen können. „Unser Ziel war es, auf 1000 Entleihungen im Monat zu kommen. Das haben wir im letzten Jahr erreicht. Nun wollen wir natürlich das Ganze weiter steigern“, betont Martina Lenz.

Allein im Bereich Belletristik und Unterhaltung stehen aktuell rund 4000 Werke zur Auswahl. Außerdem kann jeder mit einem gültigen Jahresausweis über die Onleihe zahlreiche Zeitschriften und Magazine digital lesen – von Koch-, Bastel- und Handarbeitszeitschriften über Foto- und Automagazine bis hin zu bekannten Frauentiteln und Nachrichtenmagazinen. Sogar in älteren Ausgaben können die Leser auf dem Smartphone, Tablet oder Laptop stöbern.

„Besonders gut läuft Erotisches“, weiß Elamri. Das dürfte daran liegen, dass die digitale Ausleihe anonym ist. Aber auch Krimis, Familienchroniken und Ratgeber sind beliebt. Wer also zu Weihnachten ein Buch verschenken möchte, aber nicht weiß welches, kann einen Leseausweis unter den Baum legen und so Tausende Bücher verschenken.

Von Christin Schmidt

Neuer Posten für erkrankten Staatssekretär Kirchner

Berlin (dpa) Eine Woche lang treibt eine diffizile Personalie die Berliner Politik um. Nun finden alle Beteiligten eine Lösung.

Nach tagelangen Debatten über den Umgang mit dem seit Monaten schwerkranken Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (59) gibt es nun eine Lösung: Der Senat versetzte den Grünen- Politiker am Dienstag in den einstweiligen Ruhestand und eröffnete ihm gleichzeitig eine Rückkehrperspektive nach seiner Genesung. Dazu sei ein Aufgabenbereich definiert worden, „der seine Kompetenzen angemessen berücksichtigt“, sagte Senatssprecherin Claudia Sünder.

„In Berlin gibt es umfangreiche, auch ressortübergreifende Aufgaben im Bereich Mobilität und Infrastruktur, so dass wir Herrn Kirchner dort sehr gut gebrauchen können“, sagte sie. Als Beispiel nannte sie die Siemensstadt, wo der gleichnamige Technologiekonzern bis zu 600 Millionen Euro in einen großen Innovationscampus investieren will. Details zur genauen Bezeichnung für den neuen, bei der Senatskanzlei angesiedelten Posten stünden noch nicht fest.

Kirchner ist an Krebs erkrankt und konnte seit mehreren Monaten nicht mehr arbeiten. Vor einer Woche war bekanntgeworden, dass Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos/für die Grünen) ihn in den einstweiligen Ruhestand schicken will – und zwar gegen seinen ausdrücklichen Willen. Ihr Ressort müsse wieder voll funktionsfähig arbeiten können, erklärte sie. Daraufhin hatte es, auch aus den Reihen der Grünen, viel Kritik an Günther gegeben. Ihre Entscheidung sei weder menschlich noch fachlich nachvollziehbar, hieß es.

Bei den Grünen, deren Parteispitze Günther zunächst noch den Rücken gestärkt hatte, setzten daraufhin tagelange interne Beratungen ein, um eine tragfähige Lösung zu finden. Diese gipfelten nun in der Entscheidung des rot-rot-grünen Senats, die auch Kirchner selbst mitträgt. Gleichzeitig wurde Ingmar Streese zum neuen Verkehrsstaatssekretär ernannt. Er arbeitete zuletzt in einer leitenden Funktion in der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Der Senat wolle auf Kirchners Expertise nicht verzichten, sagte Sünder. „Uns war wichtig, Herrn Kirchner das Signal zu senden, dass seine Kompetenz gebraucht wird, dass er geschätzt wird und dass er einen Platz hat.“ Das nun „in gemeinsamen Anstrengungen“ unter Beteiligung des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) erreichte Ergebnis sei „ein gutes für alle Beteiligten“, so Sünder. Sie sprach von einer zuletzt „unübersichtlichen Kommunikationslage“, die den Senat insgesamt nicht in das beste Licht gerückt habe.

Dem Vernehmen nach äußerten in der Senatssitzung mehrere Grünen- Politiker ihr Bedauern über die Abläufe in der Causa Kirchner. Vize-Bürgermeisterin und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) bat die Koalitionäre demnach um Entschuldigung. Kirchner erklärte: „Für mich steht nun an erster Stelle, dass ich wieder fit werde. Durch die gefundenen Lösung kann ich mich jetzt wieder voll und ganz auf die Behandlungen konzentrieren.“

CDU-Fraktionschef Burkard Dregger kritisierte die Lösung, mit der Kirchner in Wirklichkeit aufs Abstellgleis verfrachtet werde. „Dass die persönlichen Animositäten zwischen Kirchner und Senatorin Günther dazu führen, dass auf Kosten der Berliner Steuerzahler eine neue Stelle für ihn geschaffen wird, halten wir für ärgerlich“, so Dregger. „Es wäre besser gewesen, ihn auf seinem Posten zu belassen, statt diesen mit einem Nachfolger zu besetzen, der von den Verkehrsproblemen Berlins nichts versteht.“ Die CDU werde beantragen, Günthers Verhalten im Abgeordnetenhaus zu missbilligen.

Die Grünen-Landesvorsitzenden Nina Stahr und Werner Graf zeigten sich hingegen erleichtert. „Wir möchten uns bei allen Beteiligten bedanken, die an der Lösung der Situation mitgewirkt haben – insbesondere gilt unser Dank auch unseren Koalitionspartnern.“ Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) sagte, alle im Senat schätzten die Kompetenzen ihres Kollegen Kirchner. Sie sei froh, dass diese nun weiter für die Stadt zur Verfügung stünden.

Schwerer Verkehrsunfall (Landkreis Potsdam-Mittelmark, Bundesautobahn 115, zwischen den Anschlussstellen Potsdam-Babelsberg und Kleinmachnow in Fahrtrichtung Berlin)

Wahrscheinlich auf Grund von Müdigkeit verlor ein 39-Jähriger in der frühen Dienstagnacht die Kontrolle über seinen Wagen. Der PKW VW kam nach rechts von der Fahrbahn der A115 ab und kollidierte mit einem neben der Autobahn stehenden Baum. Der Fahrer wurde durch den Unfall schwer verletzt und musste von einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht werden. Der Wagen des Mannes war nach dem Unfall nicht mehr fahrbereit und musste von einem Abschleppunternehmen geborgen werden. Für die Dauer der Unfallaufnahme und der Bergung des Fahrzeuges war der rechte Fahrstreifen der Autobahn  für etwa 90 Minuten gesperrt werden. Es entstand ein Gesamtsachschaden von 8.000 EUR.

Dienstag 11. Dezember 2018, 01:50 Uhr

Trotz Führerscheinsperre mit polnischer Fahrerlaubnis unterwegs (Landeshauptstadt Potsdam, Fahrland, Ketziner Straße)

Im Rahmen einer Verkehrskontrolle wurde gestern Mittag ein 37-jähriger Mann in einem Pkw BMW kontrolliert. Bei der Überprüfung seiner Daten stellten die Polizisten fest, dass der Mann aktuell keine Fahrzeuge in Deutschland mehr führen darf. Der 37-Jährige zeigte jedoch eine in Polen erworbene Fahrerlaubnis vor. Diese nutzte ihm aber wenig, weil sich der Verdacht erhärtete, dass der Mann unerlaubt ein Fahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr führte. Die Polizeibeamten nahmen eine Strafanzeige auf und untersagten dem Tatverdächtigen die Weiterfahrt.

Montag, 10.12.2018, 12:27 Uhr

Nach dem schlimmen Verbrechen: MAZ-Sterntaler helfen

„Ich will wieder gehen, das ist mein Ziel“, sagt die junge Frau im Rollstuhl. In diesem Jahr ist Simone M. (30) sehr viel Schreckliches geschehen. Nur mit viel Glück hat sie ihr Leben behalten, als ihr inzwischen geschiedener Ehemann sie aus dem dritten Stockwerk in die Tiefe gestoßen hat.

Simone M., die mithilfe der MAZ-Sterntaler einen etwas versöhnlicheren Jahresausklang erleben soll, trägt eigentlich einen anderen Namen. Doch wegen der anstehenden Gerichtsverfahren können ihr Name und näheren Umstände des Verbrechens nicht veröffentlicht werden.

Der Verein Weißer Ring, der Opfer von Verbrechen selbstlos unterstützt, kümmert sich um die junge Frau aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark. „Es wäre sehr schön, wenn die MAZ-Leser Simone M. mit den Sterntalern helfen könnten, sie hat es wirklich verdient“, versichert Martin Gronwald, Außenstellerleiter des Weißen Rings in Potsdam-Mittelmark.

Spenden für MAZ-Sterntaler

Auch in diesem Jahr gibt es in der Vorweihnachtszeit die MAZ-Sterntaler-Aktion. MAZ-Leser unterstützen Menschen, die unverschuldet in Not oder eine schlimme Situation geraten sind. Sie sollen ein Weihnachtsfest bekommen, an das sie gern zurückdenken.

Der DRK-Kreisverband Brandenburg führt das MAZ-Sterntaler-Spendenkonto seit vielen Jahren treuhänderisch und engagiert.

Bitte überweisen Sie Ihre Spenden für MAZ-Sterntaler auf das bei der Brandenburger Bank geführte Sterntaler-Spendenkonto mit der IBAN DE77 1606 2073 0100 0707 00.

Bei Spenden bis zu 200 Euro reichen der entsprechende Kontoauszug oder Einzahlungsbeleg zur Vorlage beim Finanzamt. Wer einen höheren Betrag spendet, dem stellt der DRK-Kreisverband eine Spendenquittung aus. Bitte geben Sie in dem Fall als Spendenzweck „MAZ-Sterntaler“ an und nennen Sie Namen und Adresse.

Silke M. erzählt in Umrissen, was an jenem Tag im vergangenen Mai geschehen ist, der ihr Leben auf den Kopf gestellt hat. Sie war mit ihrem damaligen Mann, dem Vater ihrer beiden Kinder, in dessen Wohnung verabredet, um ein paar Dinge abzusprechen.

Inzwischen weiß sie, dass dieses Treffen ein Hinterhalt war. Das in Trennung lebende Paar geriet in Streit. Der Partner nutzte einen passenden Moment, um Simone M. acht Meter tief aus dem dritten Stock zu stoßen.

An den Sturz, ihren Aufprall und alles was folgte, erinnert sich die Brandenburgerin nicht mehr. Sie weiß, dass ihr Körper nur knapp neben einem Fahrradständer aufschlug, sie dem Tod also nur sehr knapp entronnen ist.

Querschnittslähmung

Zeugen des Sturzes haben seinerzeit sofort Hilfe für die schwer verletzte Frau gerufen. Mehrere Tage verbringt sie bewusstlos auf der Intensivstation. Dass ihre Mutter sie besucht hat, daran erinnert sich die 30-Jährige schwach. Man hat ihr erzählt, wer sonst noch ans Krankenbett gekommen ist. Daran hat sie keine eigene Erinnerung mehr.

Simone M. hat ein Schädel-Hirn-Trauma und weitere sehr schwere Verletzungen erlitten. Ein Lendenwirbel und ein Brustwirbel sind gebrochen, die junge Mutter ist also querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Starke Schmerzmittel sind notwendig.

Nach monatelangen Krankenhausaufenthalten lebt Simone M. nun daheim – mit allen Einschränkungen. Die Arme kann sie bewegen, die Beine kaum. Simone M., die früher gern gejoggt und Fahrrad gefahren ist, hat im Bruchteil einer Sekunde sehr viel verloren.

Achtlosigkeit am Fahrstuhl

Tausend Stufen bauen sich in ihrem neuen Leben vor ihr und dem Rollstuhl, in dem sie sitzt, auf. Von diesem Platz aus erlebt sie andauernd, wie Menschen sie ignorieren, sich zum Beispiel vor ihr in den Fahrstuhl drängen und sie draußen stehen lassen.

„Ich wünschte mir einfach etwas mehr Rücksicht“, sagt Simone M., für die kleine Verrichtungen endlose Mühen bedeuten. „Allein das Wasser zum Nudelkochen zu holen, ist für mich jetzt mit ganz schön hohem Aufwand verbunden“, erzählt sie.

Das erste Weihnachtsfest im neuen Leben wird grausam für Simone M. Nicht nur wegen der körperlichen Leiden. Die Narben an der Seele tun noch viel mehr weh.

Weihnachten ohne die Kinder

Simone M. hat zwei kleine Kinder, die sie seit dem schrecklichen Sturz im Mai nur dreimal gesehen hat und die sie unbedingt bei sich haben möchte. „Weihnachten werde ich ohne meine Kinder verbringen müssen“, sagt die Mutter ganz leise. Den Gedanken kann sie kaum ertragen. Doch das künftige Sorgerecht muss noch vor dem Familiengericht geklärt werden.

Trotzdem können MAZ-Leser der jungen Frau in ihrem Unglück etwas beistehen. Ihre Krankenkasse hat die Finanzierung eines Hilfsmittels abgelehnt, das Simones Leben etwas leichter machen.

Mit einem sogenannten Handbike wäre sie unabhängiger und beweglicher, könnte ihren Radius deutlich vergrößern, weil sie den Rollstuhl, unterstützt von einem kleinen Motor, mit ihren beiden Händen antreiben könnte. Der Nachteil an diesen Geräten: Sie sind teuer und privat hat Simone M. das Geld dafür nicht.

Handbike wäre ein Segen

Die sportlich wirkende Frau glaubt fest an ihre Zukunft auf zwei Beinen. Sie weiß, dass sie dafür viel Geduld und eisernen Willen benötigt. Den hat sie, allein der kinder zuliebe.

Simone M. hat seit dem schlimmen Tag im Mai nie wieder herzhaft gelacht. Sie weiß, dass sie das erst wieder kann, wenn ihre Kinder richtig bei ihr sind.

Ein schönes Lächeln können MAZ-Leser der jungen Frau schon vorher entlocken. In dem Moment, in dem sie das Sterntaler-Handbike in den Händen hält.

Von Jürgen Lauterbach

Das sind die Gewinner des Feuerwehr-Crowdfundings

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