Bundestagswahl: Anke Domscheit-Berg zieht es nach Oberhavel

Anke Domscheit-Berg hat Blut geleckt in der linken Politik. Nachdem sie vor drei Jahren über die Landesliste in den deutschen
Bundestag einzog und seither den
Wahlkreis mit
Brandenburg an der Havel und ihrer Heimatstadt
Premnitz als Vertreterin der Linken vertritt, hat sich die Parteilose in der Region durchaus einen Namen gemacht.

Und das nicht nur wegen des roten Hütchens, das sie bei ihren Auftritten häufig trägt. Nun will

Domscheit-Berg im kommenden Jahr erneut in den
Bundestag. Wieder für die Linke. Aber diesmal bewirbt sich nicht um das Direktmandat im
Wahlkreis 60, das vor drei Jahren
Dietlind Tiemann (
CDU) mit großem Abstand zu ihr gewonnen hatte.

Will nun mit ihrem Markenzeichen, dem roten Hütchen, Direktkandidatin der Linken im Wahlkreis 58 werden. Quelle: Die Linke Brandenburg

Anke Domscheit-Berg wird in
Oberhavel kandidieren, wo sie bei
Fürstenberg auch zusammen mit ihrem Mann, dem Wikileaks-Mitbegründer
Daniel Domscheit-Berg ihren Wohnsitz hat. Sie selbst wird häufig als „Netzaktivistin“ beschrieben und hat im Digitalbereich auch in den zurückliegenden Jahren im
Bundestag einiges bewegt. Das war schon ihr Fachgebiet in der
Piratenpartei, die sie 2013 verließ.

Zeichen gegen die

AfD setzen wollen

Als sie 2015 dann überraschend für die Linke kandidierte, sagte

Domscheit-Berg: „Eigentlich wollte ich nach dem Engagement in der
Piratenpartei kein Mandat übernehmen.“ Mit ihrem Mann und Sohn sei es ihr im Brandenburger Norden gut gegangen.

Zwei Gründe hätten sie bewogen, wieder in die Politik zu gehen: Der „Rechtsruck in einigen Ländern“ und ihr Bestreben, einen „Gegenpunkt zur

AfD zu entwickeln.“ Sowie die „3. industriellen Revolution als wichtige Zukunftsthema.“

Ihre Wahlkreis-Mitarbeiterin

Claudia Sprengel hat Verständnis für den geplanten Wechsel des
Wahlkreises ihrer Chefin.
Domscheit-Berg habe sich überregional mit ihren Themen einen guten Namen gemacht und sei bundesweit viel unterwegs. Im Übrigen sei sie schon vor drei Jahren am
Wahlkreis 58 in
Oberhavel interessiert gewesen: „Aber der war damals nicht frei.“

Auf Wunsch der Genossen

Nun hätten die Linken von

Oberhavel sich „gewünscht, dass sie dort antritt.“ Dass es für ein Direktmandat reicht, steht nicht zu erwarten. Also muss sich
Domscheit-Berg auf der Landesliste unter die ersten drei Bewerber bringen. 2017 stand sie auf Platz drei hinter
Kirsten Tackmann und
Thomas Nord. Mit ihr und
Norbert Müller zogen vier Brandenburger Abgeordnete für die Linken in den
Bundestag. Sprenge ist überzeugt: Sie wird wieder einen guten Listenplatz bekommen. Die Brandenburger Linken wüssten, was sie an ihr haben.

Inzwischen habe sich

Domscheit-Berg auch gegenüber den Linken in der Region erklärt. Und die hätten Verständnis für den geplanten Wechsel gezeigt. Nun läuft sich bereits der potentielle Nachfolger warm. Ob allerdings
Tobias Bank (
Die Linke) mit einem ähnlich guten Listenplatz bedacht wird, bleibt abzuwarten.

Tobias Bank (Die Linke) beim MAZ-Bürgermeister-Forum 2018 in Wustermark. Quelle: Tanja M. Marotzke

Der junge Mann, Jahrgang 1985, ist Referent für Kommunalpolitik im Deutschen

Bundestag und lebt im
Havelland. 2018 hatte er erfolglos versucht, Bürgermeister von
Wustermark zu werden, gilt aber als politisches Talent und ist Mitglied des
Kreistages im
Havelland.

Am 9. Oktober küren die Linken des

Wahlkreises 60 im Brandenburger Industriemuseum den Direktkandidaten für den
Wahlkreis. Bisher ist
Tobias Bank der einzige Kandidat, der sich zur Wahl stellt. Andere Interessenten seien ihr bisher auch nicht bekannt, sagt
Claudia Sprengel.

Von Benno Rougk