Arbeiten im Schloss – offenbar wenig märchenhaft

Zur Schlössernacht gibt es am Samstag ein Spektakel der anderen Art: Von 16 bis 18 Uhr findet auf dem Luisenplatz eine Kundgebung der Verdi-Tarifinitiative „Fridericus“ statt – unter anderem in Form eines Straßentheaterstücks in historischen Kostümen. Das Anliegen: Die bei Verdi organisierten Beschäftigten der Fridericus Servicegesellschaft (FSG) fordern eine bessere Bezahlung und eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen. „Die Öffentlichkeit soll auf die prekäre Situation aufmerksam gemacht werden“, sagt Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Germanus der MAZ. Gleichzeitig solle ein Zeichen gesetzt werden für die Tarifverhandlung mit der Geschäftsführung der FSG am 22. August.

Die FSG ist eine hundertprozentige Tochter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die von Brandenburg, Berlin und vom Bund finanziert wird. Fridericus übernimmt den Besucherservice und beschäftigt in der Saison mehr als 600 Menschen. Die FSG stellt unter anderem die Kassenkräfte, Schlossführer, Reinigungskräfte, die Bewachung der Schlösser und die Aufsichten. Germanus’ Kritik: „Seit der Ausgliederung der FSG aus der Schlösserstiftung 2006 werden die Beschäftigten bei Fridericus nicht mehr nach dem Tarifvertrag der Länder bezahlt, sondern nur knapp oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns.“ Somit gebe es schlechtere Bezahlung, geringeren Urlaubsanspruch sowie keine jährliche Sonderzahlung zu Weihnachten. Aktiv werden jetzt nur die Kassierer, Schlossführer und Besucherbetreuer – insgesamt 180 Mitarbeiter. Diese seien nicht durch einen Tarifvertrag in einer Friedenspflicht gebunden, so Germanus. Heißt: Sie dürften streiken.

Am Luisenplatz findet die Aktion der FSG-Mitarbeiter am Sonnabend statt.

Am Luisenplatz findet die Aktion der FSG-Mitarbeiter am Sonnabend statt. Quelle: Bernd Gartenschläger

Auf MAZ-Anfrage erklärt Sprecher Frank Kallensee, aus Sicht der Schlösserstiftung habe sich das Modell der FSG bewährt – somit gebe es keinen Anlass, daran etwas zu ändern. „Im Übrigen wurde insbesondere das Wachschutz-/Sicherheits- sowie das Reinigungspersonal bereits vor der FSG-Gründung zum weitaus überwiegenden Teil über Dienstleistungsverträge gebunden.“ Mitarbeiter der FSG im Besucherservice – etwa Schlossführer und Kassenkräfte – würden entsprechend ihrer Qualifikationen zudem übertarifliche Zulagen erhalten.

Bei dem Gespräch kommende Woche handle es sich „ausdrücklich nicht um ,Tarifverhandlungen’, sondern um ein Informationsgespräch“, so Kallensee. Tarifverhandlungen könnten nur die Tarifparteien führen, nicht die Stiftung „im Alleingang“. Germanus ist anderer Auffassung: „Wir haben mit der FSG-Geschäftsführung den Verhandlungstermin vereinbart und Haustarifverhandlungen finden üblicherweise zwischen Verdi und der Geschäftsführung – hier der FSG – statt.“

Von Ildiko Röd

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